DER FANTASTISCHE MR. FOX
FUCHSIG
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 18. MAI 2010.
Es gibt noch Zeichen und Wunder im Kino. Hier ist es „Der fantastische Mr. Fox“ (Regie: Wes Anderson), der inmitten von Actionfilmen, Liebesschmonzetten und dürftiger Darstellerkunst, für Aufsehen sorgt. Es ist nicht notwendig, wie man sieht, dass hochgezüchtete Digitalbilder in 3 D auf den Zuschauer losprasseln. Der Film setzt schlichtweg auf die vergangene Puppenfilmtechnik. Was dabei herausgekommen ist, ist eine sehenswerte Geschichte mit Kurzweil. Sie beginnt damit, dass Mr. Fox (Sprecher: George Clooney) erkennt, dass ein Leben im Fuchsbau keine Befriedigung mehr für ihn und seine Frau, Mrs. Fox (Sprecherin: Meryl Streep) ist. Fox möchte etwas anderes machen. Er greift schnell zu, als ihm ein Appartement in den oberen Etagen eines Baumes angeboten wird. Das neue Heim hat es in sich- es liegt in der Nähe von drei Geflügelfarmen. Für Mr. Fox bedeutet dass, das damit die Nahrungskette für eine Weile geschlossen ist.
Nun hat er nicht mit seiner Frau gerechnet. Er gab ihr einst das Versprechen, keine Hühnchen mehr zu jagen. Doch der alte Kampfgeist erwacht wieder. Zusammen mit dem Opossum Kylie geht er nachts auf Beutejagd. Die Bauern rüsten einstweilen zum Rachefeldzug gegen ihn, seine Frau nebst Kindern und allen anderen, die ihm Hilfestellungen leisten. Mr. Fox ist jedoch sehr geschickt im Kampf gegen die Bauern, die städtische Feuerwehr und das Militär. Sie alle lassen nichts unversucht, die stets wechselnden Behausungen auf ihre Weise „auszuräuchern“. Mr. Fox ist immer wieder schlauer als seine Feinde. Mal gräbt er sich unter seiner Behausung eine lange Fluchthöhle, dann überlebt er geschickt die Flutung seiner Bauten und erweist sich obendrein noch als Kenner von Apfelwein, den er mit Genuss schlürft. Am Ende siegt Mr. Fox über die Übeltäter, die ihm und der Familie ans Leder wollten.
Die Geschichte basiert auf der Romanvorlage von Roald Dahl, dem norwegischen Schriftsteller. Und sie ist alles andere als nur lustig. Sie ist makaber und lässt durchaus einen tiefen Blick auf viele gesellschaftliche Zustände zu. Zunächst sind es Eheprobleme, die im Mittelpunkt der Geschichte stehen: Was ist ein Versprechen, warum bricht man es, kann das Zusammensein dadurch empfindlich gestört werden? Es sind die Dialoge, die hier sehr passend sind, und die anzeigen, dass sich ein zerstörtes Familienleben schnell auf viele andere übertragen kann. Das erscheint einem als Erkenntnisschub, genauer um eine Art der Familienphilosophie, die ein Akt des Kampfes ums Überleben sein kann.
Auch sonst werden viele andere Probleme hinterfragt: Was ist Freiheit, wie erreicht man sie, gibt es eine Lösung der philosophischen Grundkonflikte Frieden-Gewalt, Individuum-Gesellschaft, Ökonomie-Ökologie? Der Film bietet eine Geschichte zum Nachdenken an. Die teilweise exerzierte anachronistische Bildsprache verweist zudem auf die Tatsache hin, dass die alten Animationen gar nicht ausgestorben sind. Sie feiern eine neue Auferstehung. Und das ist gut so. Das Märchen mit besten Dialogen ist witzig, oftmals sarkastisch und bietet Spannung am laufenden Band. Es ist ein fantastisches Stück. Nicht umsonst heißt der Filmtitel auch: „Der fantastische Mr. Fox"! |