HELLBOY - DIE GOLDENE ARMEE
AUGEN ZU BIS DER ARZT KOMMT
von DIETMAR KESTEN, GELSENKRICHEN, 17. OKTOBER 2008.
„Oh Boy“, sang Buddy Holly 1957. Vielleicht würde er heue „Oh, Hellboy“ singen? Mittlerweile bleibt im Action-Kino kein Stein mehr auf dem anderen. Es sind u. a. die Spezialeffekte, die dermaßen durchgestylt sind, dass einem die Schaulust vergeht. Überall gibt es Explosionen, ständig wird irgendwo etwas abgefackelt, geht zu Bruch oder löst sich in andauernden Feuersbrünsten oder Detonationen auf. Den meisten Filmen ist schon auf dem Plakat anzusehen, dass sie alsbald in ihrer eigenen Mischung aus Pulver und Blei zugrunde gehen werden. Die feuerwerkerischen Episoden schieben sich von Szene zu Szene. Und da man nur eine vorbestimmte Filmlänge zur Verfügung hat, wird in ihnen alles reingepackt, was reinzupacken ist. Dabei kommen in der Regel nur Tricks, Plattheiten, Pyromanie und Zerstörungswut heraus.
In „Hellboy - Die goldene Armee“ geht es von Anfang an darum, das Flackern am Horizont zu hinterfragen. Und das kann nur bedeuten, dass es um Leben und Tod geht. Aber darum geht es auch in allen anderen Action-Filmen. Insofern gibt es in diesem Film keine Besonderheiten zu bestaunen. Es sei denn, man misst der Langeweile, die bei andauernden Verwandlungen aufkommt, eine größere Bedeutung zu. Die Geschichte des Film könnte in einem Satz verdichtet werden: Ein paar Szenen weniger, und alles fiele auseinander; denn hier starrt man nur, wie in einem Modemagazin, auf die sich ständig wechselnden Kleidungen.
Heute wird im Kino alles verpulverisiert, für teure Effekte, für Schnickschnack und für das Phantastische, wobei der Eindruck entsteht, dass die Figuren sich eigenhändig aus jedem Film hinaus katapultieren. Der Mexikaner Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“, 2006, „Das Waisenhaus“, 2007) wagt sich mit „Hellboy- Die Goldene Armee“ wiederum an eine Comic-Verfilmung heran. Es ist das zweite Filmabenteuer des von Mike Mignola ersonnenen Helden.
„Hellboy“ tritt gegen einen Diktator an, der aus einer mythischen Schattenwelt heraus die Erde bedroht. Mit ungewöhnlichen Kreaturen tritt er an, um dem Guten zum Durchbruch zu verhelfen. Mit überzeichneter Gestaltung, erreicht der Film wiederum nur Mittelmaß, was nicht nur an der Erzählung liegt, sondern sicherlich auch am Verfall des Stoffs überhaupt. Man sollte nun mal der Tricktechnik im Kino keine besondere Aufmerksamkeit mehr schenken. Tut man es dennoch, dann unterliegt man schnell einem pubertären Größenwahn. |