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Windtalkers Filmposter
Originaltitel: Windtalkers
Produktionsjahr: 2002
Regie: John Woo (I)
Laufzeit: 147 Minuten
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Starttermin D: 01.08.2002
Starttermin US: 14.06.2002
Budget: 100,000,000$
Produktionsländer: noch nicht bekannt
Genre: Anti-Krieg

8.5 von 10 Filmklappen
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Eingetragen von Egger - 16.01.2004
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spacerFILMKRITIK
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spacerDidi | Filmkritik wurde am Sonntag, 29. August 2004 eingereicht

WINDTALKERS UND WIR WAREN HELDEN ÜBER DIE KRIEGSKULTUR IM KINO von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 29. AUGUST 2004. Kriegsfilme im Kino, wenn sie denn keinen antifaschistischen Charakter haben, also Antikriegsfilme sind, leisten, wie Gottfried BENN es einmal formulierte, „wirklichkeitszerschrotende Arbeit des Gehirns“. Der Terror von Kriegsfilmen liegt nicht darin, dass sie die Grenze dessen zeigen, was wir erwarten können, sondern dass sie ihn harmonisieren und allseitig aufbereiten. Was man nicht mit dem Auge sehen kann, nimmt das Gehirn auf. Dieser Zusammenschluss von „Kameradenken und Hirnblicken“ (GODARD) geht weit über den nur suggestiven Charakter von Kriegsfilmen hinaus. Es sind Wahrnehmungs- und Denkberührungen, die sich wie in einem Siphon um den Betrachter legen, und die bewusst oder unbewusst den (visuellen) Tod ankündigen. Neben dieser mehr philosophischen Sichtweise gibt es die politische, die sich in einer gewissen Kriegskultur niederschlägt, und die in versteckten Botschaften und Bildern versucht, aus gesellschaftlichen Krisen (politischen) Profit zu schlagen. Nun waren „Die grünen Teufel“ (Regie: John WAYNE, 1967) tatsächlich grün. Auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges leistete dieser Film ganze Arbeit; denn die Green Berets waren ausgezogen, um die finsteren Mächte auszulöschen, die Amerika bedrohten. Spätestens hier erfuhr man, dass Unterhaltung tödlich sein kann und durch das Umfunktionieren der Kinositze zu „Hinrichtungsstätten“ (Andreas KILB), registrierte man den amerikanischen Krieg als schrecklichen Irrationalismus. Die Vernichtungslogik der amerikanischen Bomben zeigte, dass das keineswegs als Entartung zu interpretieren war, sondern mehr als Entpuppung; denn mit der westlichen Wertelogik war es noch nie weit her. Sie erfuhr auf dem Schlachtfeld die Wendungen, die später zur Stammesreligion der Weltmarktzentren werden sollte. Wo Menschen ihren Staatsbürgerstatus verlieren (eben auf dem Schlachtfeld) fallen sie per se aus der Ordnung heraus. Damit teilen sie das Schicksal all derjenigen, die wie faules Obst vegetieren, staatenlos sind. Das Prinzip der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit wurde im Sinne der Gleichheit mit Gewalt und Totschlag verstanden. Und die gewaltsame Reduktion des Menschen auf eine abstrakte Regel entlud sich in eben jenem repressiven und destruktiven Charakter der Hollywood-Kriegskultur. Postmodern und tödlich. Hollywoods Lebensende tendierte immer zum Äußeren. Um die Wahrscheinlichkeit des Realen mit einem Eingeständnis zu retten, war es bereit, in Krisenzeiten, wenn es um die „Verteidigung der Freiheit“ ging, um die „Ehre des Vaterlandes“, ein seltsames Zusammenhaltsgefühl zu erzeugen. Zu retten, was zu retten ist, das galt seit eh und je für das Schlachtfeld. Es schien nahezu dafür prädestiniert zu sein. Hier betrat man mit Spielmaterial aus dem Weltgeschehen die Bühne, so als ob Menschen und Götter zusammenprallen, und wo die inneren Dramen des Staates sich in laufende Kriege gut einfügen ließen. Sieht man von den wirklichen Antikriegsfilmen ab, von den Filmen, in denen man neu geboren wurde, weil sie die nachhallende Bedrohlichkeit des Krieges auch über Jahre hinweg im Kopf festigten und nicht einfach mit dem Erlöschen einer Leuchtreklame endeten, dann war dass das Geheimnis von der Sucht nach Frieden und Völkerverständigung. Und im Film die spürbare Sicht auf die Kälte, das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung. Denn auf der Ebene der Gewalt war Hollywood im Film konkurrenzlos und Garant für eine planetarische Ordnung. Wie ein Schatten folgten eine Reihe von Filmen dieser Globalisierung, die Prozesse der sozialen Zerrüttung, moralischer Verwilderung und gesellschaftlicher Paranoia. Schurkenstaaten, Gotteskrieger und Ethnobanditen. Am Ende eines langen Kriegsfilmweges, der mit „Apokalypse Now“ (Regie: Francis Ford COPPOLA, 1979) begann und mit “Der schmale Grat” (Regie: Terrence MALICK, 1998) einen vorläufigen Abschluss fand, fielen zwei Filme ins Auge, die maßgeschneiderte Erzählungen von der „Kameradschaft im Feld Angesicht des Todes“ (Ernst JÜNGER) anboten. Zum einen war das „Windtalkers“ (Regie: John WOO, 2002), zum anderen „Wir waren Helden“ (Regie: Randall WALLACE, 2002). Hier ging es um erneut um Vietnam („Wir waren Helden“), konkreter, um die Schlacht in La Drang -Tal, als im November 1965 die erste größere Auseinandersetzung zwischen den Bodentruppen der USA und der Nordvietnamesischen Armee stattfand, und die mit Napalm beendet wurde. Dem Feind wird wie immer kein Gesicht zugestanden, seine Horden kämpfen mit der Zähigkeit der Selbstverachtung und der Amoralität von Tieren. Solch einen Ansatz, ohne kritischen Umgang mit Militär und Regierung steht für den Patriotismus des Weißen Hauses, Hollywoods und der meisten US-Medien. Im Kino hockt der Zuschauer vor der bekannten Zeitblase, einem Niemandsland, in dem der Ostfeldzug der deutschen Wehrmachtssoldaten ebenso präsent erscheint, wie Bombenteppiche über Vietnam, dem Irak, Folter in Argentinien, Afrika oder Terror der El Kaida. Die schrecklichen Formen von Gewaltausübung durch Herrscherschichten setzte sich auf der Leinwand fort. Weil das Kino ein Riesentanker ist, der Ware ausliefert, ist der Zuschauer auf dieses Kinobild fixiert. Wenn hier ein Amerika gezeigt wird, das mit wilder und ungezügelter Leidenschaft antritt, dann zeigt der Hort der Illusionen warum es eigentlich geht: um Ideologie. Mit Täuschungen, Halbwahrheiten, Lug- und Truggestalten, Ort doppelter Illusionen und Läuterung durch Stars and Stripes werden hier in wichtigen historischen Augenblicken nach dem 11. September die kollektiven Wahrnehmungen und Sachzusammenhänge verschleiert, und eine Bildwelt in Umlauf gebracht, die der Euphorisierung der aktuellen Kulturindustrie und dem Charakter der Warenwelt entspricht. „Wir waren Helden“ gehört filmisch in die Ecke einer genreübergreifenden Entwicklung, die seit Jahren das Hollywood Kino bestimmt. Hier scheint all das zerstört zu werden, womit vor 100 Jahren das Kino begann: Raum für Überraschungen zu erzeugen, Innovation, Selbstreflexivität und bisweilen sogar Subversives zu entwickeln. All das wird von aktuellen Kriegsfilmen zerstört, die in sich auch konservative Melodramen sind, weitergegeben und konserviert werden, wenn etwa an „Family Man“ (Regie: Brett RATNER, 2000), „A Beautiful Mind“ (Regie: Ron HOWARD, 2001) oder „Das Haus am Meer” (Regie: Irwin WINKLER, 2001) gedacht wird. Das wirkt nicht nur anachronistisch, sondern ist es auch. Die Rückkehr des Mannes auf das Schlachtfeld ist übertragen die Rückkehr in die klare Geschlechterrolle und stupider Ordnung, wie sie später in „Unterwegs nach Cold Mountain“ (Regie: Anthony MINGHELLA, 2003), „Last Samurai“ (Regie: Edward ZWICK, 2003) “Troja” (Regie: Wolfgang PETERSEN, 2004), aber auch im aktuellen „King Arthur“ (Regie: Antoine FUQUA, 2004) stattfindet. Und ganz nebenbei ist der Rekurs auf Massenvernichtungswaffen Hinweis darauf, dass in diesen reaktionären Remakes das ganze Erbe der Aufklärung mit einem Federstrich beseitigt wird. Der Kriegsterror mit Pfeil und Bogen, Schwert, Dreizack, Lanze, und Speer ist letztlich nicht anders zu gewichten als der, der mit Artillerie, Tarnkappenbomber, Maschinengewehren oder Napalm zur Ausübung kommt. Der Terror liegt darin, dass hier alles in eine quasi-naturgesetzliche Unaufhaltsamkeit des Kriegsgeschehens einmündet. „Jedes Volk muss einen Krieg mitgemacht haben“ (HITLER), scheint sich im Kino unvermindert fortzusetzen. Umso schwerer ist die heldenhafte Einäscherung Vietnams zu ertragen: der Krieg erscheint als Verhaltensform zwischen den Geschlechtern. Der Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Antisemitismus ist nur mit der Aufklärung zu gewinnen und nicht gegen sie. Die Kulturindustrie verfremdet das menschliche Denken und verhilft der Anschauung zum Durchbruch, dass man sich nichts sehnlicheres wünscht, als zu Überleben und zu Entkommen. Im Kino gilt es, diesen Anspruch einzulösen: schauen und den Kinosaal verlassen. Hier hat jede/r Anspruch auf universelle Gültigkeit; denn Filme bringen es fertig, dem Lachen des Folterers ins Gesicht zu sehen ohne Schamröte aufkommen zu lassen. Man registriert nur seine eigene Affiziertheit. Obwohl man sie radikal zurückweisen müsste, bleibt man doch passiv. Es gibt kein Aufstand im Kino, höchstens hier und da ein höhnisches Lachen, wenn eine spezielle Foltertruppe Dorfbewohner massakriert. Man möchte weinen, doch die Guerillabekämpfung verlangt den ganzen Einsatz und mit dem Hauptmann tritt der Kinobesucher unwillkürlich den Rücktritt an. Klaus THEWELEIT nannte diese Gewaltausübung im Kino einmal „Universal-Faschismus“ (Klaus THEWELEIT: Deutschlandfilme, Frankfurt/M. 2003). Hier wird absolut klar, dass wir unser Leben angesichts dieser Szenen verlieren. Und so wie das Leben in den Folterer einströmt, strömt der filmische Tod als Zustand fortdauernden Todes in uns hinein. Die globalen Ausmaße des Kriegskinos haben neue Helden hervorgebracht, die sich wie trojanische Pferde aufmachen, um in unserem Innersten ein planetarisches und militärisches Übergewicht zu erzeugen. Das setzt das stillschweigende Einverständnis, die Seelen der Menschen zu domestizieren, sie gefügig zu machen und sie zu unterwerfen. In „Windtalkers“ sieht man die Darstellung eben dieses grausamen Schlachtengetümmels, eine Aneinanderkettung von Kampfszenen Der Patriotismus-Taumel setzt sich ungebremst fort. Hier bleibt nichts übrig. Es geht um einen speziellen Code, der im Pazifikkrieg des Zweiten Weltkrieges nicht in die Hände des Feindes gelangen darf. Hier kommen uns die Bilder als eine Art Kompresse entgegen. Krieg ist ein Feldzug, der von Feinden und anderen finsteren Mächten ausgelöst wird, in den wir unschuldig hineingeraten. Der Krieg ist ein Naturereignis, ein Aggressionsventil, das geöffnet wird, wenn wir das Hasspotential entleeren wollen. Die Gewaltbereitschaft, die uns hier entgegentritt, zeigt, dass am Ende der Geschichte alle Angelegenheiten der Welt stets mit Gewalt unterlegt sind und sie immanent in uns angelegt ist. Mel GIBSON oder Nicolas CAGE: die Helden legen die Mittel ihres Kampfes selber fest. Sie sind selber Krieger. Und wenn es um die Verteidigung von Freiheit und Ehre geht, um die Verteidigung der Moral, dann positionieren sie sich in bester Stummfilm-Manier: gerührt, lächelnd, nonchalant, untötbar in allen auswegslosen Situationen. Hollywood und der Krieg. Das ist die Bestie Krieg, die sich in die Ethik des Kampfes bis zum Tod mit ideologischen und intellektuellen Dimensionen einer westlichen Militärkultur verwandelt. Man kann diese Sichtweise Hollywoods in die Formel packen: der Krieg muss weiter gehen, die Politik nicht. Am Ende verliert hier jede Politik ihre Unschuld; denn die scheinbar legitimierte Eskalation der Gewalt entspricht einem Ideal, dass in der westlichen Kultur weit verankert erscheint. Es ist schon merkwürdig, dass man das konsumiert. Und noch merkwürdiger ist es, dass dieses Kino der Verrohung ungeschoren davon kommt. Hier wird ein Heldenmythos erzeugt, der von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen mit der Sprachgewalt und den Bilderströmen hantiert. Was dieses Genre so verlogen macht, ist die Bilderwelt der Angst, die erzeugt wird, die Orientierungslosigkeit, mit der Zuseher inmitten von abgesprengten Extremitäten, auslaufenden Hirnen und quellenden Eingeweiden entlassen wird. Aufgrund der untergründigen Verwandtschaft mit den Wirtschaftskrisen ist die Kriegskultur im Kino zu einer einfachen Erzählform der Krise geworden. Immer wieder gelingt es Panik, Angst, Kopf- und Ratlosigkeit zu erzeugen, immer wieder geling es, diesem Kino, sich am Schrecken zu weiden und ihn zu exorzieren. Wenn jetzt reaktionäre Remakes ein Loblied auf militärische Abenteuer, Massenvernichtungswaffen und hehre Helden singen, dann ist das nicht nur schwer zu ertragen, sondern ruft in Erinnerung, dass Hollywood jedes Humanmaterial aus der Weltmarktmenschheit herausnimmt und allgemeine Menschenrechte nicht mehr zählen. Die Leere dieses Kinos dokumentiert die Entartung, die merkwürdigen Abenteuer, die sich in den Vordergrund drängen und leider auf viele Kinobesucher eine berauschende Wirkung ausüben.

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