FRANKENSTEIN
BORIS KARLOFF - DAS ORIGINAL
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 14. OKTOBER 2010.
Seit der ersten „Frankenstein“-Verfilmung aus dem Jahre 1910 (Regie: Searle Dawley (Länge: ca. 13 Minuten) nach dem Roman von Mary Shelleys, hat es immerhin gute 20 Jahre gedauert, ehe sich James Whale (Regie: 1931) daran machte, einen Klassiker des Horrors zu verfilmen.
Ein deutscher Wissenschaftler plant aus Leichenteilen einen Menschen zu konstruieren, dem das Gehirn eines normalen Toten implantiert werden soll. Sein Assistent vertauscht es jedoch und der Wissenschaftler baut das Gehirn eines Verbrechers in seine Kreatur ein. Das Monster erwacht zum Leben, läuft Amok, ertränkt ein kleines Mädchen und versetzt das Dorf in Schrecken. Da es die menschlichen Verhaltensregeln nicht begreifen kann, rächt es sich an jedem, der ihm zu nahe kommt. Schließlich wird eine Windmühle, in dem es sich verschanzt hat, von den Dorfbewohnern abgefackelt. Das Monster kommt dabei um.
„Frankenstein“ von 1931 gehört mit zu den bedeutendsten Horrorfilmen, die je gedreht wurden. Die filmische Parabel von einem getriebenen Wissenschaftler, der seine Kreatur „missbraucht“, wies einige Jahre später durch Experimente von Nazi-Ärzten eine erschreckende Parallele auf.
Formal ist der Film vom expressionistischen deutschen Kino (vgl. etwa „Caligari“, „Golem“) inspiriert. Colin Clive als neurotischer Wissenschaftler ist großartig. Ihm zur Seite steht der bucklige Dwight Frye (als Fritz), jener Assistent, dem Marty Feldman in „Frankenstein Junior“ (Regie: Mel Brooks, 1974) seinen unverwechselbaren Charme einhauchte.
Auch eine Reihe von anderen Merkmalen (Spezialeffekte) sind hier besonders herauszustellen: Etwa das Make Up. Jack Pierce von Universal Studio, gestaltete den Kopf des Monster so, dass er für die nächsten Jahrzehnte bei den Filmmaskenbildnern in Erinnerung blieb. Der hohe, kantige Schädel sollte sich sogar durchsetzen. Die Augenbrauen und die schweren Augenlieder, waren bestens geformt, ein Novum für die damalige Zeit. Dazu wurde das Monster noch in einen schäbigen Anzug gesteckt und mit schweren Stiefeln versehen- eine möglicher Hinweis auf damalige Vagabundierende.
Das Original aber ist und bleibt der große Boris Karloff (als Monster). Die Darstellung einer tragischen Figur mit tiefen Sehnsüchten, ist unübertroffen. Im Vorspann des Films wird der Darsteller des Monsters noch mit einem ? angegeben. Erst am Ende des Films erfährt das Publikum wer hier die beängstigende und anrührende Figur gespielt hat.
„Frankenstein“ hat eine Anzahl von grandiosen Szenen zu bieten: Etwa die Erschaffung des Monsters bei einem Gewitter mit Blitz und Donner. Oder das Monster auf dem OP-Tisch mit seinem Auftreten von hinten. Als es sich umdreht, erblickt man seine Fratze, während die Kamera es nun von vorne filmt. Eine der besten Szenen hat der Film in der Verfolgung des Monsters. Der Mob verfolgt es mit brennenden Fackeln bis zur großen Windmühle- ein Infernale des frühsten Horrorfilms.
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