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spacerJames Bond 007 - Casino Royale
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James Bond 007 - Casino Royale Filmposter
Originaltitel: Casino Royale
Produktionsjahr: 2006
Regie: Martin Campbell
Laufzeit: 144 Minuten
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Starttermin D: 23.11.2006
Starttermin US: 17.11.2006
Budget: 102.000.000 $
Produktionsländer: USA, Grossbritannien
Genre: Action, Thriller

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Eingetragen von Egger - 02.04.2005
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spacerFILMKRITIK
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spacerDidi | Filmkritik wurde am Samstag, 25. November 2006 eingereicht

CASINO ROYALE
 
GERÜHRT UND DOCH VER(GE)SCHÜTTE(L)T
 
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 25. NOVEMBER 2006.
 
 
Jeder kennt ihn aus unzähligen Abenteuern. Seine Autos waren sein Markenzeichen, die, wenn er sie nicht gerade zu Schrott fuhr, fahrende Litfasssäulen waren. Anzüge vom Feinsten, Uhren der Marke Omega, Rolex oder Cartier wurden geschickt ins Bild gesetzt. Und erst seine Frauen: die Krönung in seinem Königreich! Bond hat alle  Action überlebt. Kamen die ersten Streifen mit Sean Connery noch relativ plump daher (vgl. auch „007 jagt Dr. No“, 1962, „Liebesgrüße aus Moskau“, 1963, „Goldfinger“, 1964, „Feuerball“, 1965), so mauserte sich 007 mit der Zeit zum Serienkiller (vgl. auch „Man lebt nur zweimal“, 1967, „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, 1969, „Diamantenfieber“, 1971, „Leben und sterben lassen“, 1973, „In tödlicher Mission“, 1981, „Lizenz zum Töten“, 1989), der freilich als „Guter“ immer von der britischen Krone  und westlichen Geheimdiensten gedeckt wurde.
 
Bond kümmerte sich nie ernsthaft um Kolalateralschäden. Sie waren Begleiterscheinungen im Kampf gegen „das Böse“, dem er als fanatischer Waffennarr seinen ganzen martialischen Widerstand entgegenbrachte. Bond wollte Kult werden, sich einbrennen in die Filmgeschichte. Seine Aufstiegsideologie, vollgestopft mit allen Grausigkeiten, verdankte er seinem „Westwärts“ Ritt. Neutralität war verschmäht. Er war nicht nur glühender Antikommunist, sondern auch Großkoalitionär mit offenem Geldhahn (vgl., auch „Der Hauch des Todes“, „Goldeneye“, 1995, „Die Welt ist nicht genug“, 1999), postmoderner Klischeescherge, Chauvinist und elitärer Lifestyle Propagandist (vgl. auch „Der Morgen stirbt nie“, 1997, „Stirb an einem anderen Tag“, 2002).
 
Niemand verkörperte im Film besser das postmoderne Bewusstsein. Wenn allerorts fade Banalität vorherrschte, dann setzte er auf Events und Psychomechanik, die scheinbar als Gegenmittel gedacht, seine Vitalität und Kraftquelle besonders herausstellen sollte. Bond war der kulturell Andere, ein (Post-)Modernes Buch mit sieben Siegeln. Der Krise der Globalität und des Universums (vgl. auch „Moonraker-Streng geheim“, 1979) löste er mit seiner subversiven und männlichen Subjektivität fast im Alleingang. 007 war der „wahre“, „tauglichere“ und „ursprünglichere“ Filmaufklärer, dem die karibische Unmittelbarkeit wie eine Klette anhing. Als individuelles Gesamtkunstwerk mit dem Faible für gutes Essen und Trinken, war seine Rente nie in Gefahr. Bond war der Ort des Erfolgs, Sicherheitsgarant  für die Diplomatie, wenn sie versagte, sozusagen ein von Männlichkeit nur so strotzendes Selbstbild von Großmachtphantasie und Großmachtdenken.
 
In diesem Apfel steckt der Wurm. Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass dieses schwarze Loch der Bondmanie nun durch eine neue Zauberformel zugekleistert werden soll. Und sich anzupassen gedenkt an die filmische Frontbestimmung des derzeitigen Actionkinos. Der Playboy und Sexist ist tot, es lebe der potente Outlaw. Je nach Bedarf ist dieser „weiße Held“ mit der „Lizenz zum Töten“, mal kraftstrotzender Barbar, mal der sanftmütige, oder der edle Wilde, wenn es darum geht, Frauenherzen zu erobern. Seine Figur diente ihm stets als Projektionsfläche für verdrängte Wünsche. Er besaß die hehreren Eigenschaften. Und verkörperte sie besser als jeder andere Actionheld vor ihm. An diesem Projektionsmechanismus hat sich seit den ersten Bond-Filmen nur wenig geändert. Das männliche (Waren-)Subjekt imaginiert sich angesichts der Weltkrise immer noch als die neue Kraftquelle schlechthin.
 
Und so verzichtet „Casino Royale“ von vornherein auf jede Wattierung. Der dem Film entwachsende Hauf-Drauf Rambo folgt nur den Mosaiksteinchen seines männlichen Selbstverständnis. Darauf kann er sich tatsächlich etwas einbilden. Denn er ist der brutalste und hasserfüllteste Doppelagent, der durchs Holz streift. Ian Fleming, der Schöpfer und moralische Hoffnungsträger, schuf mit 007 einst eine Figur, die in den frühen fünfziger Jahren auf Wiedergutmachung aus war. Die Stunde Null verdeutliche (s)ein kontextloses Denken, mit dem sich der Agent im England des  kalten Krieges bestens arrangieren konnte. Die Stunde Null war nämlich eine Stunde der Nullen, im Roman wie im Film. Und diese entleerten sich von Film zu Film.
 
Vor dem Scherbenhaufen der Welt stehend, die meistens von Animateuren aus dem Osten mit Atombomben, Weltkriminalität und Terror noch mehr an den Abgrund gedrängt wurde, meinte dieser Bond immer, den Weltenretter spielen zu müssen. 007 meint in Wirklichkeit nichts anderes, als einer staatspolitischen Aufgabe nachkommen zu müssen. In diesem Sinne ist er nichts anderes als Vertreter des Staates, der die verschiedensten Methoden anwendet, um seine Gegner niederzuhalten.
 
Der neue Frischling kann nun mit dieser provozierenden Schamlosigkeit an die Zerschlagung der alten, konservativen Bond-Figur herangehen. Klare Botschaften gibt es auch: killen, was das Zeug hält. Bond, der zu Beginn des Films noch ohne Lizenzierung seinen ersten Gegner tötet, ist total abgebrüht. Er tötet auf einem Klo wie im Rausch. Und drückt ihn solange in ein Waschbecken, bis er (endlich!) tot ist. Er herrscht nach Belieben. O07 ist ein Killer der übelsten Sorte, ein Körperarbeiter mit Mafiamentalität und zynischem Exekutionsdrang. Lebt er etwa seine Männerfantasien aus?
 
In seiner Enthemmung, die sich im perspektivlosen Terror und im blinden Morden äußert, im Todprügeln, Todstechen und Todschießen, unterscheidet er sich nicht von der  blindwütigen Terrorwelle, die das Cinema durchzieht. Er ist die Enthemmung der männlichen Subjektivität schlechthin. Bonds archaische Gewaltakte manifestieren sich als unmittelbare Identität von Vernichtung und Selbstvernichtung. Der Schub der Gewalt in „Casino Royale, wirkt  wie eine unsichtbare Mordhand, die einmal losgelassen, die neuen Film-Barbaren kennzeichnet. Ihr Ziel besteht nicht mehr im „Einholen“, sondern „Überholen“. Krieg und Gewalt werden zum Maß aller Dinge. Wortwörtlich: in der Anwendung der Gewalt werden sie maßlos, wie dieser Bond, der die Bestrafung seiner Gegner schon als Vergeltung betrachtet. Ideologiekritisch betrachtet, bereitet dieser Bond auch die Welt auf neue Abenteuer vor. Auf Vergeltung; denn seit Al Qaida sitzt „das Böse“ überall. Selbst im Film.
 
Der Rest ist computeranimiertes Beiwerk, das dem aktuellen Hollywoodstandard entspricht. Unablässig wird auf dem Klavier der Dramatiken, der Liebesschwüre und des Vorzeigeambiente gespielt: mal in luftiger Höhe, in Uganda, am Stand mit malerischen Villen und Bergen im Hintergrund, in einem in sich zusammenfallenden Gebäude in Venedig usw. All das hat man satt! Es wird nur noch verfeinert, damit das Publikum bei der Stange gehalten werden kann. Etwas neuartiges ist indes nicht mehr zu finden. Doch der Zweck wird auch hier erfüllt: die Kulissen stehen für die Stufe der Hierarchie. Wer es dort wagt, den Herrn der Welt anzugreifen, hat schon verloren.
 
007 kann gesichtslose Feinde demütigen, knechten und hinrichten. Doch das interessiert niemanden. Es ist schon sehr bezeichnend, dass die dekadenten Repräsentanten des Staates seine Auferstehung feiern. Und mit ihnen die Symbole der Macht. In beiden Fällen kann es nur eine Antwort geben: jeder Frevel wird gesühnt. Und rechtfertigt jede Verrohung. „Casino Royale“ ist keine Ausnahme mehr. Bond ist am Ende. Und die Bilder kriechen hinterher.
 
 

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