TOP GUN - SIE FÜRCHTEN WEDER TOD NOCH TEUFEL
SCHULTERSCHLUSS MIT DER ARMY
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 22. OKTOBER 2007.
Pete „Maverick" Mitchell (Tom Cruise) verliebt sich während einer Pilotenkampfausbildung bei der US-Navy in Charlotte Blackwood (Kelly McGillis). Mit seinem Freund Nick „Goose" Bradshaw (Anthony Edwards) absolviert er das Ausbildungsprogramm im Handumdrehen. Bei einem Flugmanöver kommt „Goose" ums Leben. „Maverick" gerät in eine Phase der Depressionen und will, von Schuldgefühlen geplagt, das Camp verlassen. Doch seine Vorgesetzten und seine Freundin halten nichts von seiner Demission. Eines Tages sieht er sich bei einem Feindeinsatz feindlichen (russischen) MIGs gegenüber.
„Top Gun"(Regie: Tony Scott, 1986) muss unterstellt werden, dass er ein Werbefilm für die US-Streitkräfte war. Und dass er Kriegspropaganda in einem abenteuerlichen Maß betrieb. Jener „Tieffliegerfilm", der das Säbelgerassel des Kalten Krieges wiederbelebte und jungen Menschen die Offenbarungen des Militärs näher zu bringen gedachte, gehörte in seiner Direktheit zu den plakativsten Militärfilmen überhaupt.
Mit den Kampfmaschinen, der spröden und kruden Ideologie und den teils verführerischen Bildern, dem anachronistischen Gemeinschaftsdenken, ist er eine Ohnmachtserklärung schlechthin. Wie in diesem Falle, so handeln fast alle Cruise-Filme von rein gar nichts. Sie dürften aber auch nicht ihre Wirkung verfehlen. Das unterscheidet ihn (und in diesen Film) bei weitem von ähnlichen Kinoerfolgen und seinen Mitstreitern.
Dennoch wäre es zu einfach, „Top Gun" einfach nur der Lächerlichkeit zu bezichtigen. Er erzählt von einsamen Individuen, die authentische Produkte des Säbelgerassels der heutigen Zeit sind. Und die dem inneren Wahnsinn des Kriegsspektakels verfallen sind. So betrachtet, werden die Befürworter des militärischen Systems in eine gewisse Ideologie des Tötens getrieben, die ohne Selbstverantwortung als verwertbares (abzuschießendes) Material erscheinen. Weil der irrationale Kern von „Top Gun" letztlich einer militärischen Moral entspricht, sanktioniert er auf seine Weise heroische Werte. Und begründet die amerikanische Macht.
Mit seinen perversen Begrifflichkeiten von Menschlichkeit, hinterlässt der Film die bekannte Mär von den „Kollateralschäden". Erstaunlich ist, dass dieser Nährboden, der in „Top Gun" die Geschehnisse bestimmt, heute immer noch Konjunktur hat. Die „väterlich-fürsorglichen" Autoritäten, die „Maverick" umgarnen, haben es somit nicht verlernt, jede Krisensituation auf ihre (und immer wieder neue) Weise zu transportieren. |