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spacerHarry Potter und der Gefangene von Askaban
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Harry Potter und der Gefangene von Askaban Filmposter
Originaltitel: Harry Potter and the Prisoner of Azkaban
Produktionsjahr: 2004
Regie: Alfonso Cuarón
Laufzeit: 141 Minuten
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Starttermin D: 03.06.2004
Starttermin US: 04.06.2004
Budget: nicht bekannt
Produktionsländer: noch nicht bekannt
Genre: Fantasy

6.78 von 10 Filmklappen
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Eingetragen von Egger - 16.01.2004
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spacerFILMKRITIK
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spacerDidi | Filmkritik wurde am Sonntag, 06. Juni 2004 eingereicht

HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN <br> UND IMMER WIEDER GRÜßT DAS MURMELTIER <br> von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 5. JUNI 2004. <p> Und immer wieder grüßt das Murmeltier- so könnte man sagen. Aber will man das wirklich? Der Erfolg gibt den Machern recht. Für einen anderen Weg haben sie sich bekanntlich nicht entschieden. Düstere Wolken über Hogwarts. Ein neuer Potter-Film, der die Erfolgsautorin Joanne K. ROWLING, die durch die Geschichten um den jungen Harry Potter reich und berühmt wurde, bestätigt. Ein Märchen für jung und alt, so die übereinstimmenden Kritiken, das Verschlüsselungen beinhalten soll, die in die Gefühlswelt junger Menschen hineinpassen. Das sind Aussagen, bei denen man vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommt. <p> Wenn alle Moden und Revivals im Film durch sind, landet man bei Potter. Nichts gegen die Trickbilder, die computerisiert und neu gemischt, ohne Schnörkel gesteuert, den Zeitgeist atmen, die die fliegenden Teppiche und die Geister aus der Flasche, die noch einst die „Sindbad“ Reihe (1947ff.) bestimmten, schnell vergessen machen lassen. Doch in all diesem Trubel der Effekte nimmt das unvermeidliche seinen Lauf, so als wolle man die Scheidung der eigenen Eltern nicht wahrhaben. Wenn Geschichten grenzenlos vermixbar sind, wird Potter (Daniel RADCLIFFE) vielleicht irgendwann nicht mehr der „Gefangene von Askaban“ sondern der „Gefangene von Alcatraz“ (abgewandelt von „Flucht von Alcatraz“, Regie: Don SIEGEL, 1979) sein. <p> Was soll man also an Potter kritisieren? Wenn die inkriminierte Kritik sowieso an der Verkaufsstrategie der Macher abprallt, oder an Alfonso CUARON („Little Princess“, 1995, „Große Erwartungen“, 1997), der Regisseur dieses Potter Films ist, dann fragt man sich, was denn die ewigen Draufgänger, die sich anschicken, mit gesellschaftskritischen Seitenhieben dieses Produkt nur als episodenhaften Einblick in ein gespieltes Psychodrama zu deuten, eigentlich wollen? Bei Potter ist es wie bei allen Kinder-, Märchen- oder Erwachsenenfilmen: sie meinen tendenziell das Gute und verdammen das Böse. Der Grat ist indes schmal, auf dem diese Nadeln balancieren. Wer in diesem dritten Teil ausmachen will, wer Gutes, wer Böses im Schilde führt, der mag sich abstrampeln. <p> Die Welt verändert sich in ihren Zuordnungen. Und die typischen Pubertätserfahrungen sollten nun nicht ausgerechnet an Potter festgemacht werden, an dem doch ersichtlich den Kinderschuhen entwachsenen Harry, der fraulichen Hermine (Emma WATSON), oder denen nur so von Selbstüberschätzung strotzenden Erwachsenen Ron Weasley (Rupert GRINT) und Draco Malfoy (Tom FELTON). Psychologisch betrachtet ist Potter nur die Summe vieler Kindheitsträume, Dinge zu tun, die man nicht bereut, und bei denen man niemanden rechenschaftspflichtig ist. Verführung und Verunsicherung, zwei Traumelemente von ganz unterschiedlicher Bedeutung, die in den Potter Filmen mitten unter den Lebenden weilen, obwohl sie im Unterbewusstsein angesiedelt sind. <p> Und die Summe kann nur die Bereitwilligkeit der Filmbranche sein, sich hier wiederzuerkennen, oder zu begreifen, dass die meisten Menschen im Kino „gut funktionierende Idioten“ sind (Robert LEVINE: „Die großen Verführer. Psychologie der Manipulation“, München 2003). Diese These hat etwas: zeigt sie doch, dass das Unterbewusstsein genauso verführbar ist, wie das Tagträumen. Zeigt sie auch mehr, dass wir andauernd unzufrieden sind, mit dem, was das Kino zeigt. Sie zeigt noch viel mehr: lässt der Filmbetrachter sich auf Potter ein, auf die märchenhaften Elemente, wenn er will, und wenn die Türen zur Erwachsenenwelt weit aufgestoßen werden, dann ist das ein Novum. Ist das aber dann auch das Neue im Kino? Ist dass das Kino, das die Unzufriedenheit endlich abschlägig betrachtet, den Kritiker in seinen Turm befördert? <p> Wer Filmerfahrungen darauf reduziert, dass letztlich nur die Eichhörnchen die Bösen sind, der lässt sich auf viele schmerzhafte Momente ein. Was ist Harry Potter? Ausdruck menschlicher Freiheit, sittliche Tugend, Vorschein der versöhnten Gesellschaft- nur ein Märchen am Beginn des Erwachsenwerdens? Über Potter scheint die soziale Bewunderung zu schweben, die großen Erwartungen, der Kultstatus, in den er jetzt schon erhoben wird, der Bann, in den nicht nur Harry gerät. Der verheißungsvolle Titel hält seinen dunklen Unterton aufrecht; denn nur so kann Potter das Projekt von allen Zwängen befreien. So kann der Eindruck entstehen, dass sich hier eine klassisch-romantische Trauer über den Verlust der eigenen Kindheit niederschlägt. Doch Potter poltert im Wechselbad seiner Gefühle in das eingangs beleuchtete Stimmungsbild, in die schön-hässlich verführerischen Bilder, um sie dann zu reflektieren. <p> Um das Vorurteil einzudämmen, dass hier eine gewagte Interpretation erfolgt, soll daran erinnert sein, dass das Kino überhaupt in Permanenz gewagt ist. So zieht es auch jene Interpretationen nach sich, die manchem Filmbetrachter verborgen bleiben, weil sie die Handlungsfiguren und deren Mittelmäßigkeit in keinen Zusammenhang bringen können. Und Potter erscheint nicht als Ausnahme. Der Film wurzelt in keiner spezifischen Kultur im eigentlichen Sinne. In seiner Lesbarkeit gibt es nichts, was man nicht von ähnlichen Potter Filmen kennt. Dieselbe Struktur, Konventionalität, Klischees, zwar formal gekonnt, stilistisch erprobt, doch insgesamt der Ausradierung von Widersprüchen unterliegend mittels neuer Geschichten, aber immer wieder mit demselben Sinn. Für die einen mag Potter ein Meisterwerk mit einem Meisterregisseur sein, der den Filmreigen jetzt schon in einen „Kultstatus“ (so Michael VAUPEL in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 3. Juni 2004) erhebt, für die anderen ist Potter nur ein Zustand, der vorübergeht. Und genau hier muss man es lernen, die diametral entgegengesetzten Positionen zu akzeptieren. Ist Potter nur eine Geschichte von Glück und Unglück, Schicksal oder Selbstbestimmung, idealistischen Prämissen und mythologischen Botschaften, oder doch nur ein Spiel mit Wahrheit und Fälschung? Potter bleibt in der Familie. Das anschauliche Bild ist in die Jahre gekommen. Da wird es in jener Eintracht bewahrt, die sich goldammergleich in die Lüfte schwingt: sie fliegt oder bleibt. Das ist Konfliktware oder Konfekt. <br> Eine Beurteilung des Films muss dann auch vor diesem Hintergrund letztlich unterbleiben.

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