DER VERRÜCKTE PROFESSOR
ICH BIN FROH, DASS ICH KEIN DICKER BIN
Der Professor (Eddie Murphy) hat Übergewicht, ist ein dicker Mensch und seine Fülle ist eine Quälerei für ihn. „Fressen, stopfen, in sich rinn“, sang Westernhagen. Das trifft in allen Belangen auf Mister Sherman zu. Was er auch anstellt, überall ist ihm sein runder Körper im Weg. Er würde so gerne ein „dünner Hering“ sein, doch er scheitert immer wieder. Seine Kollegen lästern über ihn, seine Studenten lachen sich halb krank, wenn er mit seinem Körper Formeln, die er soeben an die Tafelwand geschrieben hat, wieder auswischt.
Als er eine junge Kollegin an der Uni kennenlernt, die nett ist, verändern sich zunächst seine Essgewohnheiten. Er muss aber wieder und wieder feststellen, dass er, trotz Sport, zu seiner „alten Gewohnheiten“ schnell zurückfindet. Mit dem Selbstbewusstsein geht es stets bergab. Als sie sich aber für eine Tour in einem Musikclub mit ihm entscheidet, wo der dortige Komiker auf seine Kosten das Publikum unterhält, beginnt der Professor über sein Leben nachzudenken.
In seinem Labor, in dem er mit Hamstern experimentiert, mixt er sich eine Mischung von Substanzen zusammen, die zu schlagartigem Gewichtsverlust führen. Aus dem dicken Professor wird auf einmal ein schlanker Jüngling. In dieser Rolle kann er sich nun seiner Angebeteten zuwenden.
Eddie Murphy verdirbt einem jeglichen Spaß. Als Komödiant ist er einer der schlechtesten Talente, die Hollywood je hervorgebracht hat. Seine faden Späße können einen nicht verzücken. Er hat einen „lauten Hals“, verstrickt sich stets in all jene Stereotypen, die einen Strauß „leerer Hülsen“ signalisieren und die trockengeföhnt daherkommen. Komisch ist das nicht.
„Der verrückte Professor“ (Regie: Tom Shadyac, 1996) geht auf das Original von 1962 mit Jerry Lewis zurück. Lewis selbst, der einer der begnadeten Komödianten unter der (Film-)Sonne ist, hatte seinerzeit ein perfektes ambivalentes Verhalten zu seinem Körper gefunden. Dezent pflegte er übrigens die beginnende Liaison zu Carla (1996: Jada Pinkett Smith). Murphy dagegen ist schon ein alter Chauvi, der sich unbedingt mit allerlei dummen Sprüchen in Szene setzen will. Maßlos überhöht er sich selbst und seinen Testosteron-Spiegel. Satire steht nun mal Eddie Murphy nicht gut zu Gesichte.
Der computergenerierte „Spaß“, der stets mit der Verwandlung des Professors einhergeht, versetzt einen zudem nicht in Staunen. Seit „Die Maske“ (Regie: Chuck Russell, 1994) entarten die Körperverzerrungen zu einem reinen Selbstzweck. Der stets mal aufgeblasene, dann wieder zur „Dünnform“ verwandelte Professor, hat dann auch eine Moral im Gepäck: Wer immer strebend sich bemüht, dem kann geholfen werden, abzunehmen. Fader geht es nimmer.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 19. JANUAR 2011.
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