DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN
KEINE RATLOSEN REBELLEN
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 8. NOVEMBER 2007.
Am Ende dieser Geschichte ist man weit entfernt vom Spöttischen, vom kurzen Augenblick des Atem Holens, von den finalen Handlungen und von den unbedachten Momenten, den Film als sentimentales Ruhrstück zu verstehen. Rebellierende Jugendliche gab es lange bevor die 1968ger Generation sich anschickte, das Irrlicht des Kapitalismus als Chance zu begreifen, aufzubegehren. In relativ kurzer Zeit hatte sich die Revolte der Jungarbeiter, Lehrlinge und Studenten auf fast alle gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche ausgedehnt. Es gab eigentlich keine Frage, die ausgespart worden war. In der damaligen BRD gab es vor der 1968ger Bewegung eine Art Rebellion gegen das Establishment. Gedacht ist etwa an die frühen „Schwabinger Krawalle" (Juni 1962), die mit dem Anspruch auf kulturelle Selbstbestimmung auftraten. In gewisser Weise konnten sie als Fortsetzung der „Halbstarkenkrawalle“ der späten 1950ger Jahre verstanden werden.
Filmisch gab es jedoch intensiven Nachholbedarf, was zumindest für die damalige BRD galt. Den „neuen deutschen Film", wie es später hieß, darf man sicherlich nicht mit Aufklärungsfilmen, Erotikfilmen oder Komödien mit erotischem/sexuellem Hintergrund verwechseln. In „Halbstarken" z. B. (Regie: Georg Tressler, 1956) probte Horst Buchholz einen seichten Protest und Auflehnung. Ganz anders jedoch zu gewichten war Nicholas Rays „...denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955). Das Aufbegehren gegen die satte Selbstzufriedenheit und gut behütete bürgerliche Welt, wird für Jim (James Dean) und seine Clique zum Aufbruch, mit dem die Elternhäuser nichts anzufangen wissen.
Ihrem Hochmut begegnen sie mit gefährlichen und lebensbedrohenden Spielen, die ihnen aber nicht die Angst vor der Zukunft und Trostlosigkeit nehmen können. „...denn sie wissen nicht, was sie tun", ist kein nostalgischer Film, der im milchigen Dunst der aufstrebenden Western und Komödien verschwindet. Er gewinnt an Schärfe durch unnachgiebige Gesellschaftskritik, die sich als knospende Entwicklung herauszukristallisieren begann.
Mit James Dean stand einer der Prototypen dieser aufmüpfigen jungen Generation im Vordergrund, die mit überschäumender Fantasie und voller Ehrgeiz ins Rampenlicht vorrückten. Ihm sollten noch viele andere folgen. |