BRÜCKE NACH TERABITHIA
ZUM WEINEN
Es gibt sie noch, die guten Jugend-Kinderfilme. Einer von ihnen ist „Brücke nach Terabithia“ (Regie: Gabor Csupo, 2006).
Jesse (Josh Hutcherson), ein elfjähriger Junge, trifft an seiner Schule auf die gleichaltrige Leslie (AnnaSophia Robb). Beide werden von ihren Schulkameraden gehänselt. Sie freunden sich nach einem Laufwettkampf miteinander an. Von nun an sind sie unzertrennlich. Sie haben viele Träume und Phantasien. Eines Tages entdecken sie ein langes Seil mit dem sie sich in einen Wald hinein schwingen. Sie nennen ihn „Terabithia“- ihr Königreich, zu dem niemand, außer ihnen, Zugang hat. Hier finden beide Ruhe und Zuflucht vor der Schule, vor ihren Eltern und den Lehrern. Hier bauen sie ihre Phantasiewelt weiter aus. Eines Tages als Leslie alleine nach „Terabithia“ möchte, passiert ein Unglück. Leslie kommt dabei ums Leben.
Ob man als Elfjähriger den Tod eines geliebten Menschen verwinden kann? Wohl kaum! Jesse versucht es dadurch, dass er seiner Phantasie freien Lauf lässt. Dadurch kann er wieder und wieder das Zauberreich betreten und sich stets an die vielen schönen Stunden mit Leslie erinnern. Wer früh seine Eltern verloren hat, auf sich alleine gestellt war und niemanden als Ansprechpartner hatte, der wird hier schnell Zugang zu Jesse finden. Das Leben ist auch in dieser Zeit eine ständige Suche nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Anerkennung und Hilfe.
Nicht jede/r kann sich eine „Brücke nach Terabithia“ schaffen. Hier, im Film habe nur die Tote und Jesse Zugang. Und Jesse wird eine neue Brücke bauen. Und seine Fantasie scheint durch das Erscheinen der Fabelwesen Wirklichkeit zu werden. Wenn auch das Beweinen um das bittere Ableben seiner Freundin, für Jesse kaum fassbar, ein wenig dick aufgetragen ist, so ist der Film dennoch beispielhaft für die ernsthafte Auseinandersetzung eines jungen Menschen mit dem Tod.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 1. JANUAR 2011. |