TRISTAN & ISOLDE
KLASSISCHER WAGNERSTOFF IM FILM
„Tristan & Isolde“ war ein Musikdrama von Richard Wagner (1813-1883) in drei Akten. Die Uraufführung fand am 10.6.1865 im Münchener Hof- und Nationaltheater statt. Wagner hatte einst den Tristanstoff, der ihm von Gottfrieds von Strassburg vorlag, in seinem Musikdrama verarbeitet. Während der Überfahrt nach Cornwell (1. Akt) erfolgt das Liebesgeständnis, nach dem Reichen eines Liebestrankes; die Liebesnacht im Baumgarten und die Entdeckung durch König Marke (2. Akt); der Liebestod Tristans und Isoldes am Strand von Kareol vor Tristans Burg (3. Akt).
Bei Wagner hatte die Liebesbeziehung von Tristan zu Isolde nur eine zarte Bande geknüpft. In vielen späteren Aufführungen, führte sie zu einer romantischen Erosvorstellung. Es ist müßig darüber zu streiten, ob bei Wagner die Erotik der Ausgangspunkt ist. Vielmehr ist anzumerken, ob er nicht durch sein Drama die „Erlösung der Menschen“ darstellen wollte? Möglich ist auch, dass die Liebe der beiden lediglich nur Sehnsucht im Tod ist- der Tod als Überwindung des dualistischen gespaltenen Seins. „Tristan & Isolde“ bleiben in ihrem jeweiligen eigenen Ich gefangen, ihre Dialoge sind letztendlich Schweigen. Der tragische Verlauf von „Tristan & Isolde“ erinnert später an das Drama „Faust“ von Goethe und das Erlösungsstreben von Faust und Gretchen.
Der Film „Tristan & Isolde“ (Regie: Kevin Reynolds, 2006), bemüht sich allerdings nicht, den Wagner-Stoff vernünftig zu rezipieren. Eigentlich wird der „Tristan & Isolde“-Stoff frei adaptiert. Aber auch hier geht es um die Liebe des königlichen Sohns aus Cornwall zur Tochter eines verfeindeten irischen Herrschers. Im Auftrag seines Herrn freit er die künftige Königin und begleitet sie nach Britannien. Trotz Eheschließung treffen sich die beiden Liebenden heimlich. Dadurch bringen sie den Hof in Gefahr. Alles in allem: Kein Mantel- und Degenfilm, dafür mehr ein Liebes- und Abenteuerfilm, teils vor prächtiger Kulisse, gespielt. Der Film hebt sich durchaus von vielen anderen Versuchen, einen klassischen Stoff zu verfilmen, ab.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 2. MAI 2011. |