NICHOLAS NICKLEBY
BITTERE SCHICKSALE
Bittere Schicksale suchen die Familie von Nicholas Nickleby (Charlie Hunnam) heim. Sie hatte ein gemeinsames Landhaus bewohnt, die Eltern und die beiden Kinder Nicholas und Kate. Der Vater lässt sich auf Geldspekulationen ein, verliert alles und verstirbt. Der Bruder bewahrt Mutter und Tochter vor dem Ruin. Er schickt Nicholas auf eine Jungenschule. Hier wird er als Assistenzlehrer engagiert und erlebt sehr schnell die Hölle. Mit Smike (Jamie Bell), der den Erziehern wegen seiner Behinderung ein Dorn im Auge ist, kann er schließlich fliehen. Zunächst landen sie bei einer Theatertruppe. Nachdem die Schwester ständig belästigt wird, geht er nach London, wo die Auseinandersetzungen mit seinem Onkel Ralph (Christopher Plummer) eine neue Dimension erreichen.
Die Verfilmung dieses Romans (Regie: Douglas McGrath, 2002) von Charles Dickens ist sehr selten, zeigt aber, dass Dickens, der viktorianische Sozialkritiker, immer noch zu denjenigen gehört, denen man im Film große Aufmerksamkeit widmet. Douglas McGrath macht das auf seine Weise. Indem er seine Charaktere lebendig darstellt, gelingt ihm ein zeitloser und kritischer Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit.
Neben der sich selbst überschätzenden Theatergruppe, bei der Nicholas sich in Shakespeare üben darf, ist der eigentliche Unbill der Schulmeister und seine Frau, die mit strengster Härte in der Jungenschule regieren. Der Onkel Ralph, ist der eigentliche Urheber der ganzen Familienmisere, hinter dem sich alle düsteren Absichten verstecken, die man sich so vorstellen kann. Nicholas Nickleby ist ein moralisch integerer junger Mann, der seine Prinzipien hat, es mit dem herrschsüchtigen Schulmeister und mit seinem Onkel aufnimmt. Das wird ihm letztlich viel Ehre einbringen. Vor allem wird er sich in Madeline (Anne Hathaway) verlieben, was dieser Geschichte ganz gut zu Gesichte steht.
Der Film ist ein anrührendes, historisches Gemälde, das so manche Geheimnisse parat hält: Augenscheinlich gute Kulissen und die (Wort-)Sprache des 19. Jahrhunderts runden den Film ab. Und versetzen das Publikum zurück in diese Zeit. Das Thema selbst, das in Dickens Geschichten immer wieder auftaucht, ist dennoch nicht abgegriffen; denn diese Zeitepoche ist voll von Boshaftigkeiten, von Ungerechtigkeiten, von Ausbeutung und Unterdrückung und Verwundbarkeiten. Ein Mensch, der sich durch Güte auszeichnet, passt hier wunderbar hinein. „Nicholas Nickleby“ ist zwar kein überragender, aber ein guter Film geworden, der zum tiefen Nachdenken anregen sollte.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 10. JANUAR 2011.
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