SALT
MEINE NAME IST SALT, EVELYN SALT
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 20. AUGUST 2010.
James Bond stellte sich stets mit „Bond, James Bond“ vor. Ähnliches dürfte für „Salt“ gelten, „Evelyn Salt“.
Wer am Stuhl sägt, der verschafft sich Gehör. Möglich ist, dass die alten Haudegen, die bisher den Agentenfilm für sich vereinnahmt hatten, nun aufhorchen; denn etwas im Gange, dass sie aus ihren Schlaf erwecken könnte: Angelina Jolie. Sie scheint das Genre zu wechseln. In einem Agententhriller versucht sie, ihren männlichen Kollegen (etwa Daniel Craig, Tom Cruise oder Matt Damon) den Rang abzulaufen.
Die Jolie hat es nun mal mit markanten Auftritten, ob bei Galas, Benefizveranstaltungen, ob im Interview oder medienwirksamen Auftritten mit „Schönling“ Brad Pitt und den Kindern- immer wieder sieht man Jolie im Mittelpunkt des Geschehens. Die Publicity-hungrige Frau mag es nun mal kernig, was bereits an „Tomb Raider“ (2001; 2003) oder „Mr. & und Mrs. Smith“ (2005) zu sehen war.
Jetzt ist sie nun auch noch Doppelagentin, eine amerikanische, versteht sich. Oder arbeitet sie für die Gegenseite, die Russen? Oder ist sie eine russische Spezialagentin, die Amerika liebt? Jedenfalls eine Agentin. Was bei Bond immer klar war, entgeht einem hier wahrscheinlich. Die Frau hat den Weitblick, so scheint es jedenfalls zu sein. Sie springt von Brücken auf fahrende Lastautos, bastelt aus einem Slip und einem Feuerlöscher eine Rakete (wie originell!) und sie ist bei der Flucht über Dächer so schnell, dass selbst die Huber-Brüder staunen würden.
Philipp Noyce (Regie) hat alles in die Hände der millionenschweren Jolie gelegt. Eine Frau sieht rot, eine Frau dringt in die Männerdomäne ein, eine Frau steht als Frau ihren Mann. Der Thriller ist von der Stange. Eine Vorwärtsbewegung ist nicht festzustellen. Stattdessen arbeitet der Regisseur mit altbekannten Mitteln: Man nehme die Dynamik aus vorhergegangenen Actionfilmen- immer schneller, immer schnittiger, Laufen und Schießen aus allen Lagen. Und die Welt retten. Jeder Agent, jeder Doppelagent oder jeder, der sich für einen solchen hält, kämpft gerne das Böse und für das Gute.
Mitzuhalten bei den Stunts, die mitunter sehr halsbrecherisch sind, der Wettlauf um die Welt, die Crashs und dazu noch gut aussehen- die Jolie macht es vor. Über ihren Einsätzen liegt ein Hauch von Erotik. Aber das soll ja wohl auch so sein. Dazu kommt eine Prise Unnah- und Unantastbarkeit. Die Jolie ist nun mal so. Warum sollte Noyce das im Film verändern?
Der Film führt uns ins nordkoreanische Folter-Verlies. Auch dort hatte Bond seine Erfahrungen gemacht. Selbst schmutzbedeckt und blutverschmiert hinterlässt sie noch einen guten Eindruck. Beim anschließenden Agentenaustausch kommt man sich vor wie auf der „Glienicker Brücke“.
Die Geschichte setzt sich in Washington fort. Frau Salt sieht man beim CIA. Sie ist mit einem deutschen Forscher verheiratet ist. Schon bald scheint sich das Blatt zu wenden. Ein möglicher Überläufer, ein KGB-Agent, erzählt in der CIA-Zentrale etwa über eine russische Spionen bzw. „Schläferin“. Nach seinen Aussagen soll der russische Präsident in Amerika umgebracht werden. Damit wird unter der Hand die alte „Kalte-Kriegs“-Strategie wieder belebt. Darüber handelten ja bekanntlich 70-80% aller Bond-Filme.
Salt ist nun die Gejagte. Aber was sie ist, wird selbst bis zum Schlussbild nicht klar. Ist sie nun eine Bombenlegerin, eine Auftragskillerin, Verräterin, Abgesandte, Retterin der Welt- was eigentlich? Der Rest ist beliebige Action: Tempo, Tempo, Tempo, Springen, Hechten, Hecheln- nichts bleibt dem Auge verborgen. Wenn sie fällt, dann steht sie wieder auf. Autodächer oder Hubschrauber sind kein Problem für die Powerfrau. Und bei alldem stellt sich die Frage: Will man das eigentlich noch sehen? |