HORTON HÖRT EIN HU!
TOLLER FILM
„Horton hört ein Hu!“ (Regie: Jimmy Hayward) hat einen Schöpfer. Er heißt Dr. Seuss, ein amerikanischer Kinderbuchautor, der mit „Der Grinch“ und ein „Kater macht Theater“ auch in Europa bekannt geworden sein dürfte. „Der Grinch“ wurde 2000 von Ron Howard Mit Jim Carrey (als Grinch) verfilmt. „Ein Kater macht Theater“ (Regie: Bo Welch, 2003), war die zweite Verfilmung eines Buches von Seuss. Eine dritte, „Horton hört ein Hu!“ (Regie: Jimmy Hayward/Steve Martino, 2008), sollte folgen.
„Horton hört ein Hu!“, ist eine fulminante Computeranimation - Show. Der Einfallsreichtum kennt keine Grenzen. Vor allem Kindern ist er ein Beispiel für Toleranz, Respekt und Menschlichkeit.
Im Gegensatz zu vielen anderen Animationen, die den erhobenen didaktischen Zeigefinger sozusagen als Zugabe zum Film gleich mitliefern, bleibt „Horton hört ein Hu!“ auf dem Teppich des Urwalds.
Horton, der Elefant (gesprochen von Maria Herbst), hört eines Morgens einen Hilfeschrei, mit dem er zunächst nichts anfangen kann. Es ist auch eher ein Piepen, das von einem vorbeigeflogenen Staubkorn zu kommen scheint. Darauf befindet sich eine eigene Welt, in der die „Hus“ leben, und sie sind in Gefahr; denn sie segeln durch die Luft. Horton kann sie leider nicht erkennen, aber er weiß: Er muss sie retten; denn der Mensch ist ein Mensch, ob klein oder groß, das ist egal.
Er legt das Korn auf eine Kleeblüte und will es auf einen sicheren Berg tragen. Doch der Weg ist weit. Er muss durch den ganzen Dschungel. Andere Dschungelbewohner halten ihn für nicht ganz dicht. Sie wollen ihm das Korn wegnehmen, damit er zur Vernunft kommt. Es ist das eigenbrötlerische Känguru (gesprochen von Anke Engelke), das es auf Horton abgesehen hat. Nun beginnt eine Jagd durch den Dschungel - immer mit den direkten Auswirkungen auf die „Hu“ - Welt. Fällt Horton hin, ist ein Erdbeben die Folge, schläft er im hohen Gebirge, dann gibt es dort Schnee im Sommer. Und wenn er tief einatmet, gibt es fast schon eine Klimakatastrophe.
„Horton hört ein Hu!“, ist ein tolles visuelles Filmerlebnis. Alles läuft mit einem Affentempo ab, so dass am Ende nur noch ein Staunen übrig bleibt: Alle Macht den Außenseitern, alle Macht der phantasiebegabten Fabel!
Das „Hu“ - Heim ist auch ein Beispiel dafür, dass diese Welt einer anderen Idee folgt: Den Bewohnern kommt es darauf an, sich in all dem was sie tun, miteinander zu solidarisieren. Doch der unsichtbare Elefant, den die „Hus“ nur hören könne, bringt Probleme hervor. Man glaubt dem Bürgermeister nicht. Und er hat es sehr schwer, seine Mitmenschen von seiner Existenz zu überzeugen. Aber das ist auch seine Aufgabe: Daran zu glauben, dass es auf der anderen Seite der Welt jemanden gibt, dem man vertrauen kann.
„Horton hört ein Hu!“, vertritt zwar in einigen Bereichen eine idealistische Philosophie, aber man sollte nicht immer die Messlatte hochlegen; denn schließlich gibt es hier einen Kinderfilm zu sehen, der bar jeder tieferen philosophischen Erörterung sein sollte. Keine Frage: Der Film gehört zu einer der besten Animationen der letzten Jahre. Der Film hat Herz, Humor und Hirn. Er hat das, was andere nicht haben: Er produziert leisen Humor, ist sehr abwechslungsreich und stets erfinderisch.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 23. MAI 2011. |