10.000 B.C.
ALLES NUR SCHEIN
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 7. MÄRZ 2008.
Der Schein glänzt hell bei Roland Emmerich, dem Schöpfer von „Universal Soldier" (1992), „Stargate" (1994), „Independence Day" (1996), „Godzilla" (1998), „Der Patriot" (2000) und „The Day After Tomorrow" (2004). „We came in Pace" hieß einst die Inschrift auf dem Mond, die Apolle-11 Astronauen dort hinterlassen hatten. Alles schien ruhig- bis sich eine schwarze Masse langsam über die Mondlandschaft schiebt, und die Tafelinschrift vergessen lässt. Irgendwo ist Roland Emmerich sie nicht mehr losgeworden. Irgendwie hat sie sich verirrt. Und irgendwas hängt ihr an. Und sei es nur der trügerische Blick in die Monstrosität.
Dabei ist der Friede bei Emmerich immer schon ein schwieriger Geselle gewesen, der ständig an den Grundfesten zu rütteln gedachte und nie, wenn überhaupt, leicht machbar war. Ehe schon der Krieg mit all seinen Abwandlungen. Hier lief Emmerich immer zur Hochform auf. Nicht kleckern, sondern klotzen, das war stets seine Devise, wobei es weniger um Schlachten und Feldzüge ging, sondern um brachiale und bombastische Darstellungen, die für sich genommen alleine schon ein enormes Kriegspotential enthielten.
Dass Emmerich mit seinen Konzeptionen in Hollywood immer groß herauskommen wollte, ist spätestens seit „Universal Soldier" nicht mehr von der Hand zu weisen. Für kleine und nachdenkliche Filme von ihm dürfte sich niemand interessieren. Ob Roland Emmerich von seinen Werken, vor allem dem letzten, peinlichst berührt ist? Man muss es fast annehmen; denn er verlässt seinen bekannten, und damit ausgelatschten Weg nun gar nicht. Stattdessen setzt er noch die Spitze einer Pyramide auf ein komplettes Pharaonengrab.
Worum geht es in „10.000 B.C."? Im Jahre 10. 000 v. Chr. soll nach einer Prophezeiung ein Krieger sein unterdrücktes Volk in die Freiheit führen. Der junge Jäger D;Leh wird sich auf die Reise begeben. Doch zuvor muss er ein Mammut töten. Dadurch kann er das Herz von Evolet gewinnen, die er zur Frau nimmt. Nachdem Sklavenjäger sie verschleppt haben, muss er sein ganzes Können als Führer verschiedener Stämme aufbieten, um sie zu befreien.
Emmerichs Trick ist hierbei, dass er ein Konzept ohne Überlegung abliefert, ein Blockbuster, der sich seine Sporen durch Blödsinn verdienen will. Wenn von dem unrealistischen Steinzeitleben einmal abgesehen wird, dann bleibt selbst von diesem Mainstream-Kino nicht mehr viel übrig. Außer großen Panoramen, effekthascherischen Bildern, Gemetzel und jeder Menge Plattitüden hat er nicht viel anzubieten. Emmerichs Darstellung ist peinlich. Er schafft es tatsächlich, ein „Urzeit"-Märchen zu kreieren, das in allen Bereichen arm ist: In der Produktion, in der Action und in der Handlung. Stattdessen überwiegen der Kitsch und das Pathos.
Roland Emmerich ist ein Meiser in der Schablonentechnik. Er plünderte seine eigenen Filme aus, um daraus einen neuen zu machen, was gerade nicht originell ist. Er will sich selbst in Szene setzen, und ruft dabei doch nur eine Verlegenheit nach der anderen hervor. Da es ihm nur um die Zuschauergunst geht, kann er dann auch locker mit alle Merkwürdigkeiten, von denen dieser Film voll ist, hantieren.
Ob Steinzeitmenschen so ausgesehen haben, wie Emmerich sie skizziert, dürfte äußerst fraglich sein. Dass aber Winterlandschaften im schnellen Übergang zu tropischen Wäldern und heißem Wüstensand gezeigt werden, kann nur der Phantasie entspringen. Selbst Pyramiden die hier nun gar nichts zu suchen haben und Evelets stark geschminktes Gesicht, können nur zu der Annahme führen, dass er „10.000 B.C." nur deswegen aufgepeppt hat, um von seiner eigenen Versteinerung als Regisseur abzulenken. |