ABBITTE
DUTZENDWARE
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 12. JULI 2010.
Nun sind Liebesgeschichten im Film stets mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht liegt das daran, dass man im Laufe seines eigenen Lebens sich selbst die Augen, bis man keine Tränen mehr hatte, wegen der Liebe ausgeweint hatte. Und die Erfahrung lehrt, dass Liebe stets vergänglich ist. Und dass sie schwer auf jemanden lasten kann. Ob wir ohne Liebe auskommen können, bleibt für alle Zeiten eine offene Frage. Nur im Kino nicht. Dort hat sie einen festen Platz, und sie ist stetiger Begleiter aller Dramen und Komödien zugleich.
„Abbitte“ (Joe Wright, 2007) nach dem Roman von Ian Mc Ewan, wurde wegen seiner Melodramatik hochgelobt, doch in Wirklichkeit bietet der Film nicht mehr an als Dutzendware aus dem Supermarkt. Eigentlich ist „Abbitte“ ein hausbackener Film und eine schlechte Kopie der kulturellen und politischen Ereignisse der 1930ger Jahre bis zum 2. Weltkrieg.
„Abbitte“ erzählt vor ambitionierter Oberfläche und historischen Geschichtsfetzen vom (tragischen) Schicksal eines jungen englischen Liebespaares, das durch die Eifersüchteleien eines 13-jährigen Mädchens auseinandergerissen wird und in die Ereignisse des 2. Weltkriegs hineingezogen wird.
Überraschungen gibt es hier nicht zu bestaunen, auch die Geschichte ist nicht wirklich mitreißend. Das mag, wie oben angedeutet, an der permanenten Überfütterung des Publikums mit jenen Geschichten liegen, die Tränenrührigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Nun kann darüber, sogar intensiv, reflektiert werden, ob nicht Regisseur Wright hier eine eigene Bildsprache und einen neumodernen Erzählstil entwickelt, der die knisternde Atmosphäre der Beteiligten einfängt. Ob es so ist, ist eine Frage der Betrachtung, die sich zudem mit anderen, ähnlich gelagerten Filmen, zu messen hätte.
Neben mehr oder weniger interessanten Stimmungseffekten (etwa das Schreibmaschinentuckern während Briony (Romola Garai) die Verhältnisse schildert), bleibt der eigentliche Höhepunkt, der Flirt zwischen Robbie (James McAvoy), dem Gärtnersohn und Cecilia (Keira Knightley), doch relativ arm. Arm ist auch die komplette Bildästhetik- eben ein Historienschinken, der von Zeit zu Zeit das Hollywoodlicht erblicken mag. Merke: Den „Englischen Patienten“ (Regie: Anthony Minghella, 1996), wenn der Vergleich gezogen werden soll, gibt es nun mal alle 10 Jahre nur einmal. |