DAS WAISENHAUS
SPIEL NICHT MIT DEN SCHMUDDELKINDERN
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 26. OKTOBER 2008.
Der alte Franz Josef Degenhardt würde zum Film hinzufügen können: "... singt nicht ihre Lieder..." Eine Frau kehrt in das Waisenhaus (Regie: Juan Antonio Bayona) zurück, in dem sie als Kind einst aufwuchs. Dort will sie ein Heim für behinderte Kinder einrichten. Kurze Zeit später wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Ihr psychisch erkrankter Adoptivsohn wird plötzlich von Fantasien geplagt. Kurz darauf verschwindet er spurlos.
Auf alle Spekulationen, die mit dem Film umwoben sein könnten, sollte verzichtet werden. Es geht weder um Leben und Tod, noch um ein Leben nach dem Tod, oder ein zweites, gar drittes Leben. Es soll um Grusel gehen, der aber besser in einer zweitklassigen Geisterbahn erfahren werden sollte.
Zunächst verschwindet der Junge in einer Höhle und spricht mit merkwürdigen Gefährten, dann findet er seltsame Münzen, die sich im Verlauf der Geschichte pulverisieren, dann sieht er „Geister“, die auf ihn einwirken, schließlich wird seine Adoptivmutter in diese Geheimniskrämerei hineingezogen und lässt sich schlussendlich auf jene „Spielerei“ ein, die vom Sohn und von anderen, zunächst „unsichtbaren“ Kindern gefordert wird, damit das Kind wohlbehalten zurückkehren kann.
Bei diesem Film ist festzustellen, dass das Gruselgenre wieder einmal als abgenudelt erscheint. Alle Auffälligkeiten, die es so gibt, geben sich auch hier die Hand: Türen öffnen und schließen sich automatisch, Fensterläden fallen herunter, Dunkelheit mit Schattenrissen fallen über das Gemäuer her, flackerndes Licht und Gegenstände, die herunterfallen, ergänzen die Szenerie. Ein Medium wird bemüht, das mit seherischen Vorgaben dem Ganzen die Wende geben soll, und schlussendlich gibt die Fantasie allem den Rest.
Auffällig ist, dass die Gruselvorbilder nicht nur adaptiert, sondern sogar kopiert werden, wenn etwa an die langen Gänge aus „Shining“ gedacht wird, an deren Ende sich seltsame Gestalten zeigten. „The Others“ (Regie: Alejandro Amenabar, 2001) mit Nicole Kidman ist darüber hinaus das eigentliche große Vorbild des Films.
Doch mit Vorbildern sollte vorsichtig umgegangen werden. Man kann zu ihnen aufsehen oder sie ignorieren. Doch auf die Ignoranz wollte sich die Regie nicht festlegen lassen. So bleibt das Vorbild, dass aber hier ein Nachbild ist, das durch die verwinkelten Ecken des Hauses schleicht, um gleichsam als weißes Licht, das immer abgedunkelt wird, als Kontrast wieder zu erscheinen.
Zumindest setzt die Kameraführung alles daran, um Grusel zu erzeugen. Es reicht nicht aus. Das ganze Projekt ist zu glatt und zu steril. Ohne Effekte und ohne Emotionen bleibt „Das Waisenhaus“ ein harmloses Unterfangen, das schnell aus dem Gedächtnis verschwinden sollte. Lieber „Blair Witch-Project“ schauen.
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