2012
DIE APOKALYPSE FINDET NICHT STATT
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 13. NOVEMBER 2009.
Worüber ist man sich sicher? Sicher in der Frage, dass der „Maya-Kalender“ nur Dichtkunst war, dass für die Maya nur eine Zeitepoche am 21. Dezember 2012 endete, und dass danach die Zeitrechnung fortgesetzt wurde, sicher, dass die biblische Sintflut nur tradiert war, und sicher in der Frage, dass die Planetenkonstellationen die Welt nicht aus den Angeln heben wird und der Weltuntergang nicht stattfindet. Vor diesem Hintergrund erahnt man schon, dass es sich bei dem neuen Film von Roland Emmerich, „2012“, um ein weiteres Spektakel des Schöpfers von „Independence Day“ (1996) und „Godzilla“ (1998) handelt.
In „2012“ dürfte Emmerich bis weit an die Grenze seiner apokalyptischen Vernichtungsmaschine geraten sein. Es wird nun für Regisseure schwer werden, seine Zerstörungswut zu überbieten. Emmerich schert sich, wie immer, nicht um wissenschaftliche Glaubwürdigkeit. Das geht ihm sozusagen am Arsch vorbei. Auch insofern ist sein neuer Film ein reiner monströser, mit Spezialeffekten angereicherter Katastrophen-Actionfilm. Allerdings einer mit höchster, aber auch sehr fragwürdiger Qualität.
Da bersten die Erdkrusten, Vulkanausbrüche und Erdbeben sind daher so sicher, wie das sog. Amen in der Kirche, gigantische Tsunamis lassen kein Stein auf dem anderen, eine Sintflut biblischen Ausmaßes ist die Folge, die tibetanischen Mönche erleben die ersten Wogen dieser gewaltigen Eruptionen, man sieht wie sie über den Mount Everest schwappen, Kalifornien rutscht ins Meer, in Washington wird die Evakuierung der Regierung vorbereitet, das Kapitol und der Vatikan fallen wie eine Streichholzschachtel in sich zusammen, aber es gibt Hoffnung, obwohl es hier keine Hoffnung geben dürfte.
Eine Arche (oder mehrere Archen) die schnell zusammengezimmert werden, soll die Überlebenden an einen sicheren Ort bringen. Aber wo gibt es diesen hier überhaupt noch? Damit bringt sich der Film selbst in arge Bedrängnis und mit ihm auch Roland Emmerich. Emmerich glaubt, dass die Familie bzw. deren Zusammenhalt alle Probleme lösen wird. So verwundert es nicht, dass das Armageddon eine in sich zusammenfallende Kleinfamilie wieder zusammenbringen soll. Überhaupt scheint das der Knackpunkt des Films zu sein.
Jackson Curtis (John Cusack) trauert seiner Ex-Frau Kate (Amanda Peet) hinterher, dazwischen stehen die Kinder, die eine neue Familienzusammengehörigkeit möchten. Da kommt die hereinbrechende Apokalypse gerade zur rechten Zeit. Jackson schafft es dementsprechend über die bersten Erdspalten hinweg, die Dinge ins Lot zu bringen, während sein Nebenbuhler am Steuerknüppel eines Flugzeuges einer riesigen Staubwand entkommen will (späterer Opfertod inklusive).
In Emmerichs Filmen überleben stets die, die die besseren Gene und genügend Geld haben. So darf es nicht verwundern, dass die Elite und einige Auserwählte auf der Arche überleben. Die Tickets sind begehrt und werden zu hohen Summen verhökert. Staatsoberhäupter haben automatisch einen Platz an der Sonne. Und so schippert die Arche einer neuen Welt entgegen. Nur wohin, das muss am Ende offen bleiben. Doch bei Emmerich, wie man sieht, gibt es immer wieder Wunder zu bestaunen. Vielleicht verlegt er seinen nächsten Film ins Alte Testament, wo die Arche einen festen Stammplatz hat? Auch da gab es ja einen Überlebensplatz. Denn so ganz ohne Arterhaltung geht es bei Emmerich dann doch nicht.
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