EIN CHEF ZUM VERLIEBEN DUMME GESCHICHTEN STERBEN NICHT AUS
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 5. OKTOBER 2010.
Der Komödienstadl zieht im Kino weiter seine Bahnen. Viele mögen davon nicht genug bekommen. Sie entfliehen dem Alltag, um sich für einige Stunden der Abwechslung hinzugeben. „Berieselung“ im Fernsehen und im Kino, das ist die Zugabe für die Alltagsplackerei, so könnte gefolgert werden. Aber darin steckt meistens der Pferdefuß; denn man kann sich sicher sein, dass diese Art von Unterhaltung, die jedem zur Verfügung steht, stets mit einem bitteren Beigeschmack enden wird.
Meistens gaukeln einem die Komödien vor, dass das Leben neben Trauerausbrüchen und Leichenzügen auch aus einer gehörigen Portion Freude, Emotionen, Glück und moralischer Gleichwertigkeit besteht, die die Verschmelzung unserer Sehnsüchte beinhalten sollten. Denkt man etwa an „Pretty Woman“ (Regie: Garry Marshall, 1990), dann wird deutlich, dass die krude Botschaft die ist, dass auch Outlaws der Gesellschaft aufsteigen können und sich der Gier nach der Prominenz schnell unterordnen.
Da das Kino mitunter ein Lebensfilm ist, verschmelzen sich dort gleichsam alle Unterhaltungsfacetten, die es so gibt. Das ist die Richtschnur für buchstäblich alles, was die moderne Gesellschaft ausmacht. Das, womit Menschen unterhalten werden, genießt mit seltenen Ausnahmen die größte Anerkennung. Zudem macht das Kino die Unterhaltung außerdem zu einem neuen Maßstab für den Wert eines Menschen.
Kein Wunder also, dass Komödien auf Komödien das Filmlicht der Welt erblicken, kein Wunder also, dass die menschgewordene Unterhaltung das Gehirn irgendwo ausklinkt, kein Wunder also, dass romantische Bilder und Szenen, schon schwärmerisch und ehrerbietig das Persönliche selbst zur Prominenz macht, die sich im Kino ein munteres Stelldichein gibt.
Die „zuckersüße“ Komödie: „Ein Chef zum Verlieben“ (Regie: Marc Lawrence, 2002) mit den Stars Hugh Grant und Sandra Bullock, wabert als nichtssagendes triviales Filmstück auf der untersten Leiter der Unterhaltung. Wie in vielen anderen Filmen dieser Art, werden sich am Ende diejenigen finden, die anfangs nicht für aneinander geschaffen erscheinen, dann aber durch die Wucht der Ereignisse ins heimische Glück finden werden.
Georg (Grant), ein New Yorker Immobilienspekulant engagiert die Umweltaktivisten und Bürgerrechtlerin Lucy (Bullock) als Anwältin seiner Firma. Er macht ihr das Leben nicht leicht, dauern kommt es zu Zerwürfnissen, sie kündigt den Job und merkt doch alsbald, dass sie ohne ihn nicht auskommt. Der Lebensfilm beginnt: Die beiden sind füreinander geschaffen. Und sie werden nach einigen Verwicklungen ein Paar, das im siebenten Himmel der Liebe entschwindet.
Der Reißbrett-Film, der eine erfundene Geschichten anbietet, die unser persönliches Leiden mindern soll, kann durchaus als Weltflucht verstanden werden. Die Prominenz, die hier bestaunt werden kann, ist ein Teil der heutigen Populärkultur geworden. Klatschgeschichten und Trivialitäten am laufenden Band umgeben nicht nur sie, sondern auch uns. Es vergeht sozusagen kein Tag, an dem nicht irgendein Fernsehsender über die Schmach der Sandra Bullock berichtet, die sie durch möglichen Ehebruch usw. erlitten hat. Wenn dann noch ein Film eine seltsame Verbindung von Frust und Glücksmomenten stricken kann, dann wird dieses unbedeutende Stück sogar zu einem Mythos, das im übertragenen Sinne stets neu das Licht Hollywoods erblicken kann. Wenn dann noch die gescholtene Bullock irgendwann in einer Talk-Show von ihren Erlebenissen erzählt, dann gleicht das Gefühl, das beim Zuschauer entsteht, einem Urbild der Filmszenen, die wir uns kurzen noch angesehen haben.
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