Die älteste Verfilmung des Kinderbuchs von Lewis Carroll „Alice im Wunderland“ ist von 1951. Gleich drei Regisseure (Wilfried Jackson, Hamilton Luske und Clyde Geronimi) wagten sich an eine Zeichentrick-Adaption. Bereits damals stachen Turbulenz und Tricktechnik ins Auge. Kein Wunder; denn die Produktion war von Walt Disney. Mit einem virulenten Feuerwerk und verrückten Einfällen, gelang Disney möglicherweise eine Neuschöpfung in Sachen Einfallsreichtum und illustrer Erzählung. Weitere Verfilmungen waren aus den Jahren 1972, 1986, 1994 und 1999, die aber alle nicht den Disney-Klassiker heranreichten.
Nun hat Tim Burton eine totale Neufassung von „Alice im Wunderland“ in 3-D vorgelegt. Dabei herausgekommen ist ein fantastisches Abenteuer, ein Märchen mit sagenhaften Figuren und einer Opulenz an Farben. Die Handlung, die er verändert hat, spielt jetzt 10 Jahre später. Die jetzt 19-jährige Alice erteilt ihrem Verehrer kurz vor der Hochzeit eine Absage, flieht in Richtung eines Erdlochs und fällt ins Wunderland. Schon bald erscheinen ihr in ihrem alten Traum die bekannten Figuren.
Auch in diesem Wunderland ist die Zeit nicht stehen geblieben. Wie alles, etwa die Flora, aber auch Gebäude, die verfallen erscheinen, so haben sich auch die Figuren verändert. Die „rote Königin“ ist merklich geschrumpft hat einen überdimensionalen Kopf, unterjocht ihre Untertanen und will nicht von der Krone lassen. Sie steht in andauernder Fehde mit der „weißen Königin“, die endlich dem Guten auf die Sprünge verhelfen will. Der Machtkampf zwischen „Gut und Böse“ steht somit unmittelbar bevor.
Doch bevor Alice in diesen Sog hineingezogen wird, trifft sie auf den „Hutmacher“ (Johnny Depp), einer der schrillsten Figuren, die sich hier versammeln. Sogleich fällt auf, dass er sich übergangslos in die absurde Handlung von Burton einfügen kann. Mit „Jabberwocky“, der „Grinskatze“ oder „Dideldum“ und „Didelei“, gelingt es ihm in jeder Hinsicht mit kreativem Spiel ein fantastisches und farbenprächtiges Abenteuer zu inszenieren.
Selbst der Verdacht, Burton würde sich reihenweise der Klischees bedienen, verfliegt schnell. Burtons Verdienst besteht gerade darin, „Alice im Wunderland“ ohne Schnörkel auf die Höhe der Film-3D-Zeit zu heben. Er tut das mit einer prächtigen Farbenlandschaft, die niemals den Eindruck hinterlässt, als sei sie aus dem Farbenkasten entnommen.
Die Darstellung aller Figuren zeugt von tiefer Kreativität, von Können und vom Blick für das Mögliche und Machbare. Burton bleibt selbst im Endkampf zwischen „Gut und Böse“, dem Alice sich nun stellen wird, dem Disney-Konzept treu: Der Bilderkraft. Letztlich macht sie aus dem Film ein großartiges Erlebnis, das man so schnell nicht vergessen wird.
Anmerkung:
Weitere Filme von Tim Burton waren: „Batman“ (1988); „Edward mit den Scherenhänden“ (1990); „Batmans Rückkehr“ (1991); „Ed Wood“ (1994); „Mars Attacks“ (1996); „Big Fish“ (1997); „Sleepy Hollow“ (1999); ); „Planet der Affen“ (2001); „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (2005); „Sweeny Tood“ (2007); „Tim Burtons Corpse Bride“ (2005). Burton dürfte zu den einflussreichsten Regisseuren Hollywoods gehören.