1 1/2 RITTER - AUF DER SUCHE NACH DER HINREIßENDEN HERZELINDE
BLÖDSINN IM FILM
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 19. DEZEMBER 2008.
Til Schweiger (als Ritter Lanze), soll sich darüber beschwert haben, dass das Urteil der Kritiker über seine Filme bereits feststehen würde, bevor sie ins Kino kommen. Das mag sein. Doch auch nach dem Kinobesuch, wird ein Urteil kaum anders ausfallen. Woran mag das liegen? Zunächst zeigt dieser Film eine selten gesehene Anhäufung von Schwachsinn, der nur den Schluss zulässt, dass offenbar die deutsche Komödie ein Qualitätsproblem hat, was sicherlich nicht nur an Schweiger liegt, aber auch an ihm und seinen Filmen, die allesamt auf (junge) Publikumstauglichkeit getrimmt werden, und sich dabei im Gestrüpp des witzig sein wollen verheddern.
Die „Suche nach der Herzelinde“, ist daher, wenn von der Zurschaustellung bekannter Gesichter aus dem Fernsehen einmal abgesehen wird, eines jener Beispiele, die zeigen, dass es für den (deutschen) Film eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat. Man könnte auch sagen, dass das Fernsehen den deutschen Film nach seinem (Eben-)Bilde formt, indem es ihn auf sog. Sehtauglichkeit ausrichtet. Die Ursachen für diese Form der heimtückischen Angriffe auf die Lachmuskeln der Zuschauer, sind rein ökonomischer Art. „Komödien“ sind billig, Actionfilme teuer. Ein Gag „kostet“ einige Drehbuchschreiber, aber eine Explosion zieht ins Geld. Der Kassenerfolg ist ihr einziger Lebenszweck.
So mag es nicht verwundern, dass die „Komödie“, die an der Klamaukfront immer wieder die gleichen abgestandenen Witze, die stets nur variiert werden (Beispiel: Schweiger bekommt ein Schwert zugeworfen, dass er nicht auffängt), hervorbringt, nur leere Hülsen produziert, die gleichermaßen an den Töpfen der Filmförderung hängen, die Filme bezuschussen, und davon träumen, dass endlich der gescheiterte Versuch, Publikum und Regisseure zu einer Einheit zu formieren, Realität wird.
Weit mehr als 100 Spielfilme erlebten 2007 ihre Erstaufführung. 77 davon waren deutsche Produktionen. 2008 dürfte es nicht anders sein. Vielleicht waren die Hälfte davon „Komödien“, an denen das Fernsehen durch Schauspieler, Regisseure etc. indirekt beteiligt war; denn Fernsehredakteure sitzen auch in Filmfördergremien, die sicherlich ihre eigenen Ideen in Sachen „Eigenständigkeit“ haben. Das gilt nicht nur für Großproduktionen wie den „Baader Meinhof Komplex“ oder „Anonyma“, sondern auch für Filme wie „Die Fremde in mir“, „Wolke neun“ und jene „Komödien“, die noch nicht einmal Bewegungen im flachen Land hervorrufen. Das mag nicht neu sein, aber es muss immer wieder gesagt werden, damit deutlich wird, dass die deutsche „Komödie“ manchmal wirklich zum Totlachen ist.
Schlimm wird es dann, wenn selbst abgehalfterte Schlagersänger wie Roberto Blanco, „Wetten, dass...?“ Moderator Thomas Gottschalk usw. als Eigenbrötler hier ihr Unwesen treiben. Was schon in der Sprache provinziell ist, die sich in kurzen Dialogen, die zwanghaft dahin gesprochen sind, niederschlägt, wird durch die Befeuerung mit öder Körpersprache und glatten Reaktionen noch einmal getoppt. Vom „1 1/2 Ritter...“ bleibt nicht viel übrig. Die deutsche „Komödie“ zeigt nämlich hier, was sie kann: Nichts!!
Hier gibt es Ansichtskartenoptik zu bestaunen, die Schweiger schon in seinem Film „Keinohrhasen“ (2007) zum Besten gab. Es ist nun jene Uniformität und Monotonie in den Handlungen, die sich wie Standardsituationen im Fußball ereignen, und die mit starren Kombinationen und den immer gleichen Gesichtszügen versehen, den Weg zum Publikum bahnen wollen, die einem den Verdruss des Kinogangs beschert, wenn er denn davon getragen sein sollte, erheiternd auf das Gemüt zu wirken. Die dramaturgischen Einfälle hinterlassen eine selten erlebte dumpfe Gefühligkeit des deutschen (Komödien-) Films, der sich als visuelle Armut bezeichnen lässt, und der leider zum Standard des schlechten Geschmacks geworden ist.
Alleine Johannes Heesters, der einen Kurzauftritt hat, verdient Respekt. Sich mit 104 Jahren auf der Bühne, die sein Leben bedeutet, zu bewegen, kann nur alle Hochachtung nach sich ziehen. Doch auch er rettet die „Herzelinde“ nicht, die sich im Würgegriff des globalen Bildaustausches und der Blase des ästhetischen Kollapses befindet. Dort, wo Risikoscheue angesagt ist, zu der sich zwanglos Denkfaulheit gesellt, kann sich keine Innovation entwickeln. Die Kunst des Entertainments besteht auch darin, eigene Charaktere zu formen. Doch all das, was sich hier mehr als Rekonstruktion der alten Stan Laurel und Oliver Hardy Filme bezeichnen lässt, verheißt auch eher für die Zukunft, dass deutsche Kinorealität deutsche Fernsehrealität ist, die dieselbe Erzählweise hervorbringt, und die mit den gleichen fahlen und holzschnittartigen Charakteren zu Werke geht, die man kaum noch über sich ergehen lassen kann.
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