THE EXPENDABLES
REINES KÖRPERGEHABE
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 27. AUGUST 2010.
Es ist bekannt, dass Sylvester Stallone kein Weichei ist. Seine Filme, bis auf sehr wenige Ausnahmen (etwa „Cop Land“ von 1997), glänzten stets durch eine Überbetonung des Körperlichen. Stallone war stets sein eigener Körperheld, der sein martialisches Lied überall vertonte. Am Anfang stand „Rocky“, jener Film, mit dem er 1976 den Durchbruch schaffte und der 1977 sogar 3 Oscars erringen konnte. Stallone, der mit Brigitte Nielsen verheiratet war, setzte stets auf Action. Und er verkörperte, etwa mit Arnold Schwarzenegger, jenen Zeitgeist, der sich bis heute in seinen Filmen hielt.
Auch „Rambo“ machte da keinen Unterschied. Obwohl der 1982 entstandene Film sich kritisch mit dem Vietnamkrieg auseinandersetze, so war er letztlich doch nichts anderes als ein patriotischer US-Film, der genau in die politische Zeit der Ronald Reagan-Präsidentenära passte. „Rambo“ mit dem Versprechen von Stallone: „Ich gebe euch euren Krieg, den ihr nie vergessen werdet“, grub sich, spätestens hier, tief in jene kriegerischen Schauplätze ein, die fortan seine Karriere bestimmen sollten. Ob „Rocky II“ (1979), „Rocky III“ (1982), „Rambo II“ (1985), „Rocky IV“ (1985), „Rambo III“ (1988), „Rocky V“ (1990), „Rocky Balboa“ (2006) oder „John Rambo“ (2008)- Stallone verkörperte jenen einsamen Helden, der da, wo andere längst gestorben sind, wieder aufsteht.
Wo Stallone war, da gab es Krieg. Ob im Ring oder im Dschungel: Stets war der Körper im Einsatz. War es im Ring „nur“ die Faust, so kam im Dschungel gleich ein ganzes Arsenal von Vernichtungswaffen zum Einsatz. Dort wurde aus allen Kalibern geschossen, Fallen wurden gestellt, mit der bloßen Hand gemeuchelt oder der Gegner wurde mit dem Messer erstochen. Wo Stallone war, wurde gestorben. In seinen „Rambo“-Filme konnte man die Leichen nicht mehr zählen. Ein Stallone-Film ohne sie gibt es nun mal nicht. Man weiß also, was einen in „The Expendables“ (Regie: Sylvester Stallone) erwartet.
Ob der Film dem Muskel bepackten Stallone weh tat, weiß man nicht. Vielleicht hat er auf die Zähne gebissen? Aber er hat durchgehalten. Kompromisslos, wie man ihn kennt, geht er als Söldner unter Söldnern seinem Geschäft nach: Schießen, töten, irgendwie andere mit viel Getöse um die Ecke bringen. Das ist seine Mission. Stallone könnte ebenso in Afghanistan kämpfen- seinem Image täte das keinen Abbruch. Er wäre nur einer unter vielen, die dort die „Freiheit des Westens“, oder was auch immer, verteidigen. Man sieht, dass seine Kampfschauplätze jene sind, die anderswo auf der Welt bereits existieren.
Ist da die Story des Films noch interessant? Im Grunde ist sie wie immer: Irgendjemand muss gerettet werden, die Bösen müssen getötet und deren Domizile niedergebrannt- und gebombt werden. Das alleine ist die Crux aller Stallone-Filme. „The Expandables“ geht dorthin, wo alles in Schutt und Asche gelegt werden muss. Ein wenig Sentimentalität darf es dann auch sein. Denn eine Story verlangt sie; denn damit hat man Prokura für den weiteren Ablauf des Films erlangt.
So ist der einstige „Herr der Fäuste“ dabei, sich den lästigen Altlasten zu entledigen. Wie viele Leichen es in diesem Film gibt, kann vermutlich niemand zählen. Die hundertfach zerschossenen Leiber gehen einem schon nach 10 Minuten auf den Geist. Explosionen, Feuersbrünste, dauernde Detonationen, gewaltige Mauerwerke stürzen ein, dazwischen immer wieder Stallone im Nahkampf- alles schon mal dagewesen, aber hier mit einem Gemetzel, das seinesgleichen sucht. Stallone weiß, wie man sie in Szene setzt. Schließlich ist er mit ihnen im Film groß geworden. Warum sollte er das je ändern?
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