MEINE FRAU, UNSERE KINDER UND ICH
PEINLICH
Leider bewegt sich einer der wohl begabtesten Schauspieler Hollywoods nun im Niemandsland der Komödien. Kein geringer als Robert De Niro ist gemeint. Der Mann, der in „Der Pate“, (1974), „Taxi Driver“ (1976), „Die durch die Hölle gehen“ (1978), „Raging Bull“ (1980), „Es war einmal in Amerika“ (1984),“Angel Heart“ (1987) „The Untouchables“ (1987) „Zeit des Erwachens“ (1990), „Good Fellas“ (1990), „Kap der Angst“ (1991), „In den Straßen der Bronx“ (1993), „Casino“ (1995), „Heat“ (1996), „Wag the Dog“ (1997), „Jackie Brown“ (1997) und in vielen anderen ernstzunehmenden Filmen spielte, hat sich etwa seit 1999 dazu entschlossen, sich mehr den Komödien zu widmen. Zwischen diesem Zeitpunkt und 2010 spielte er in rund 10 Komödien mit. Mit „Godsend“ (2004), „Hide and Seek“ (2005) und „Der gute Hirte“ (2006), gelang dem Ausnahmetalent noch einmal ein Ausflug ins Fach der gehobenen Unterhaltung. Das war es dann auch schon.
Robert De Nero ist nicht mehr das, was er einmal war. Im dritten Teil der Focker-Saga prüft er Ben Stiller. Ob er der „Godfocker“ ist? Jedenfalls gerät hier De Niro mehr als in Bedrängnis. Sein Image ist doch arg auf den Komödienhund gekommen. Zudem hat man noch seine seichte Filmoper „Reine Nervensache“ von 1999 im Kopf, als er schauspielerisch mit dem Kopf durch die Wand gehen wollte
Komödien sind seichte Filmstoffe. Sie sind keine Charakterfilme. Und erst recht nichts für Charakterköpfe. Sie sind wie ein paar verlorene Soldaten, die vor der Leinwand sitzen und über irgendetwas Lachen. Bis der Witz vorüber ist, vertreiben sie sich die Zeit und erzählen Dönekes. So ähnlich kommt man sich in „Meine Frau, unsere Kinder und ich“ (Regie: Paul Weitz) vor. Die illustre Gesellschaft, mit von der Partie sind u. a.: Ben Stiller, Owen Wilson, Dustin Hoffman, Barbara Streisand, Harvey Keitel, Jessica Alba, macht aus dem Film keinen Kracher. Das liegt zum einen an der schon abgegriffenen Story, zum anderen an den peinlichen Viagra-Szenen, in denen De Niro doch mehr als unbeholfen wirkt.
Große Namen verheißen oftmals im Kino nicht Gutes. Hier sind sie einmal mehr nur simple Gebrauchsgegenstände, die von einem Ort zum anderen wandern. Der Film nährt die Auffassung eines Verzweiflungsunternehmens, bei dem alle Beteiligten merkwürdig abwesend wirken. Dass selbst die Kalauer von vorvorgestern sind, weil sie gestern keine hören wollte und heute schon eher wie Tiefflieger wirken, ist nicht allein die Schuld von De Niro. Doch er muss sich fragen lassen: Was ist aus seiner genialen Art, das Schauspielfach zu bereichern und es auf eine qualitativ hohe Stufe zu heben, eigentlich geworden?
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 24. DEZEMBER 2010.
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