UNSTOPPABLE - AUSSER KONTROLLE
SPEED AUF SCHIENEN
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 12. NOVEMBER 2010.
Ein Zug gerät außer Kontrolle. Verantwortlich dafür ist ein Rangierarbeiter, dem es nicht mehr gelingt, den Zug zu bremsen. Somit fährt der Güterzug nun führerlos und mit einer hochgiftigen Ladung durch Pennsylvania und gefährdet Mensch und Tier. Die Bahn entscheidet sich gegen die Möglichkeit, den Zug manuell in einem wenig besiedelten Gebiet entgleisen zu lassen. Zu sehr spekuliert sie mit finanziellen Verlusten. Als sie sich dann doch umorientiert, ist es bereits zu spät. Zug 777 hat das Gebiet schon längst verlassen und rast auf die Stadt Stanton mit stark kurviger Streckenführung los.
Was nun kommt, dürfte bekannt sein. Wenn die Führung versagt, dann müssen die Helden ran, die in der Lage sind, das Desaster zu verhindern. Frank Barnes (Denzel Washington) und der Neuling Will Colson (Chris Pine), die per Zufall auf der Hauptstrecke dem Katastrophenmonster hinterherfahren, sehen das Unheil herannahen und versuchen auf ihre Weise, gegen das Anraten der Hauptverwaltung, den Zug zu stoppen. Nach einigen aufreibenden Szenen gelingt ihnen das schließlich. Das Duo kann den Zug ankoppeln und abbremsen.
Ob es ein Bus ist, ein Flugzeug, ein Schiff oder ein Fahrstuhl: Faszination Action ist wie auf dem Großmarkt: Eingekauft wird das, von dem man annimmt dass es dem Publikum schmeckt. Keine Debatte: Der Film besticht durch seine Kameraarbeit an allen Fronten. Aber das war es dann auch schon. Alles andere ist (hübsches) Beiwerk. Barnes und Colson, die zunächst auf Konfrontationskurs gehen, finden sich in der Not zusammen. Der eine gesteht dem anderen seine Probleme, übrigens in einem Zug, der bei 120 km/h ständig zu entgleisten droht. Was hat die Regie (Tony Scott) hier eigentlich geritten?
Die Dialoge, die zelebriert werden, entstammen wohl dem Schulkino der vergangenen Jahre. Sie sind wirklich nicht besonders ohrentauglich. Dass hier so ganz nebenbei eine Familienzusammenführung stattfindet, glänzt schon fast an eine Lächerlichkeit. Immer wieder stellt man diese absonderlichen Dinge in Actionfilmen fest. Es ist so, als ob diese Nebenveranstaltungen schon traditionell gewachsen sind. Wie oft musste man das im Kino schon miterleben? Kinder weinen, Frauen zittern, die Einsatzzentrale bricht in Jubel aus, Beifall kommt auf- am Ende stehen die Helden vor den Mikrophonen. Das Einerlei dieses Films hebt sich nicht keinen Deut von anderen ab.
Diese Helden sollten einen kalt lassen. Sie kommen und gehen. Aber das ist die Mischung, die wir kennen. Gerührt sein mit den todesmutigen Männern. Wie dem auch sei: Alle reden vom Wetter (Bahn-Slogan), Frank Barnes und Will Colson nicht!
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