THE ROAD
ES BLEIBT DIE UNGEWISSHEIT
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 15. OKTOBER 2010.
Postapokalyptische Visionen im Film gibt es viele. Von „Mad Max“ (Regie: George Miller, 1979) und „The Day After“ (Regie; Nicholas Meyer, 1983) bis „The Day After Tomorrow“ (Regie: Roland Emmerich, 2004), lassen die Bilderwelten einen durchaus erschaudern, auch wenn die dortigen Visionen letztlich nur eine düstere Theatralik anbieten.
Nun kommt auch noch John Hillcoats „The Road“ mit vielen hoffnungslosen Bildern in die Kinos. Was den Untergang unserer Welt herbeigeführt hat, bleibt unklar. Man muss nicht immer alles wissen und alles hinterfragen. Manchmal sollte man nur die Bilder wirken lassen. Was wir als Folge eines möglichen Gaus sehen, sind zerstörte Städte wie aus „Blade Runner“ (Regie: Ridley Scott, 1982) mit brillanten Szenen des Verfalls, Geisterlandschaften in kaltem Grau, nebel(um)klammernde Wälder und stetige Dämmerung. Hier ist alles verloren. Hier gibt es kein Oben und kein Unten mehr, keine Außen- und keine Innenwelt. Alles verschwimmt, so als ob eine dunkle Röhre sich über das gesamte Terrain legt. Und schon längst hat sich, angesichts der mangelnden Vorräte, der Kannibalismus breit gemacht. Und wer auf die Reste der einstigen Zivilisation zurückgreifen möchte, ist arm dran.
Unter diesen, eher aussichtslosen, Bedingungen wandern ein Vater und sein Sohn mit einem Karren eine Straße entlang. Man müsse an das „Feuer im Innern“ denken meint der Mann (Viggo Mortensen), zeigt dem Jungen (Kodi Smit-McPhee) aber auch wie man aus dem Leben scheidet, wenn es keinen Ausweg mehr gibt. Man müsse die Pistole in den Mund stecken und abdrücken.
Wohin sie gehen, erahnt man nur. Schließlich ist diese Welt ein Hort des Desasters. Sie treffen auf kannibalistische Schergen, müssen sich verstecken, begleiten einen Landstreicher (Robert Duvall) ein Stück des Weges und entdecken schließlich in einem Atombunker Lebensmittelvorräte. Für eine kurze Zeit gibt es eine heile Welt.
Hillocoat hat keinen Actionfilm gemacht. Der Film gleicht einer Passage, einer Wanderung quer durch das Land, durch die Vernichtung, durch den Tod, der überall seine Spuren hinterlassen hat. Warum sollte man unter diesen Bedingungen noch weiterleben, wenn sowieso alles trist und trostlos erscheint? In dieser Welt gibt es keine Hoffnung mehr.
Zuletzt stirbt die Hoffnung! Aber hatte Niklas Luhmann nicht gesagt: „Es gibt viel Hoffnung, aber nicht für uns?“ Ein kleiner Trost offenbart sich den beiden dann doch. In einem alten Haus kommt in einem zerstörten Wohnzimmer ein wenig Normalität auf. Doch auch das währt nicht lange. Der Mann ist an tödlicher Tuberkulose erkrankt.
Der Junge begräbt ihn und begegnet einer Familie, der er sich anschließt. Fast meint man, dass das „Feuer im Innern“ eine Entsprechung gefunden hat. Selbst wenn es so wäre, sollte man sich nicht sicher sein. Alles was wir sind wird vom Lebensfluss davongetragen, dem Fluss ohne Wiederkehr. So mag der kleine Junge für einen Augenblick die Glückskörner, die das Leben über uns ausschüttet, mit beiden Händen ergreifen können. Ob er sie wirklich festhalten kann?
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