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spacerWall Street: Geld schläft nicht (2010)
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Wall Street: Geld schläft nicht Filmposter
Originaltitel: Wall Street: Money Never Sleeps
Regie: Oliver Stone
Laufzeit: 133 Minuten
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
Starttermin D: 21.10.2010
Starttermin US: 24.09.2010
Budget: nicht bekannt
Produktionsländer: USA
Genre: Drama

5.33 von 10 Filmklappen
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Eingetragen von Malick - 17.01.2010
Didi - Filmkritik wurde eingesendet am Freitag, 22. Oktober 2010

WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT 

GELD IST MEHR ALS EINE HURE DIE NIEMALS SCHLÄFT

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 22. OKTOBER 2010.

„Gier soll jetzt legal sein“, sagt Gordon Gekko (Michael Douglas) bei einem Meeting. Das erscheint maßlos untertrieben zu sein. Geld ist ein „barbarisches Relikt“, sagte der Ökonom Keynes. Danach wird Gier zum absoluten Selbstzweck, der sich aus des Volkes Warenseele speist. Gestern war es der Schock des Immobilien-Crashs, der weltweit für Entsetzen sorgte. Kurze Zeit später die globale Finanzkrise, die an den Grundpfeilern des gesellschaftlichen System rüttelte. Wie meistens, so scheint auch über diese Krise Gras gewachsen zu sein. Bis die nächste uns wieder aus allen Wolken fallen lässt.

Die faul gewordenen Kredite, die Leerverkäufe, die hohe Boni versprechen und das spekulative Börsenkapital, erweisen sich bei jeder neuen Krise als Verkettung der Widersprüche, die sich rund um den Globus als fatale und weitreichende blinde Dynamik erweisen. Alles konzentriert sich auf das Geld als Medium. Und damit wird es auch zum Selbstzweck des kapitalistischen abstrakten Reichtums. Finanzkrisen kommen und gehen. Es bleibt die Frage danach, wann tatsächlich diese krisenhaften Entwicklungen an die äußersten Grenzen stoßen- und damit ein noch größerer, und weltweit noch folgenreicherer Finanzcrash eintreten wird.

Vor diesem Hintergrund kommt „Wall Street: Geld schläft nicht“ (Regie: Oliver Stone) in die Kinos. Und er beginnt mit dem erstaunlichen Satz des Bankers Louis Zabel (Frank Langella), der sich kurze Zeit später vor einen Zug wirft: „Die ganze Welt wird blödsinnig!“ Aber: Es ist die Spekulationsblase, die die Verhältnisse zum Platzen bringt. Louis Zabel mag Recht haben, aber Oliver Stone tut so, als ob jene Finanzkrise fast etwas Einmaliges darstellt. Die Finanzkrise von 1929 und deren Folgen scheinen den Film wenig zu interessieren. Und mit einem allgemeinen  Gedächtnisschwund einher zu gehen.

Aus welchen Quellen sich die aktuelle Finanzkrise speist, wird somit nicht hinterfragt. Es scheint so zu sein, dass es wieder einmal alle gewusst haben. Schuld am Desaster, so der Film, ist die hemmungslose neoliberale Deregulierung der Finanzmärkte, sowie „die Gier“, was Stone nicht oft genug betonen kann, die Verantwortungslosigkeit von Bankern, die Inkompetenz der Bankmanager.

Und das „Böse“ kommt wie selbstverständlich aus dem Inneren der Finanzhäuser, ein Griff von Stone aus der Klamottenkiste aller alten linken Propaganda. Und es wird noch besser: Mondäne Partys, der Blick der Kamera auf die Klunker der Damen der feinen Gesellschaft, auf Perlenkolliers und teure Uhren. Immer wieder lässt Stone die Kamera auf die Banken blicken, die sich rund um die Wall Street gruppieren- hier ist die Finanzwelt zu Hause. Hier endet alles, hier beginnt alles.

Die Brände, die vor diesem Hintergrund entstehen, können gar nicht so schnell gezählt werden. Und gleichzeitig gibt es kein Löschwasser mehr.  Finanzmanager werden verantwortlich gemacht, deren Charisma auf falschen Voraussetzungen beruht, so Stone. Die Krise des Weltsystems wird bei ihm medial inszeniert. Gorden Gekko, der die Formel von der „Gier“ benutzt, die „gut erscheint“, das ist das Maß aller Dinge. Tatsächlich sind es die politischen Machtverhältnisse, die wie die Staatsfinanzen und die Währungen unhaltbar werden.

Gekko, die Kultfigur, tritt wieder ins Rampenlicht, nachdem er eine 8-jährige Haftstrafe absitzen musste. Er scheint geläutert. Aber Stone stellt diesen Banker fast schon als charismatische Persönlichkeit dar, der weiß wie das Geschäft läuft und wie man aus dem Nichts wieder dicke Gewinne machen kann. Gordon Gekko mit dicker Zigarre im Mund und einem Whisky-Glas in der Hand- der Prototyp des Finanzkapitalismus. So entsteht der Mythos. Auf diesen Herren kann man mit dem Finger zeigen, ihn direkt verantwortlich machen. Und natürlich auch den Börsenhai Betton James (Josh Brolin), der wie Gekko ist, nur aalglatter.

Wie arm nimmt sich dagegen Jacob Moore (Shia LaBeouf) aus, der förmlich an Gekkos Lippen hängt, und der seine Tochter heiraten will. Übrigens der schlechteste Aufhänger für einen Film diesen Kalibers. Alles läuft nämlich auf die Familienzusammenführung hinaus. Was interessiert uns dann noch das Kapital? Gekko macht dort weiter, wo er einst aufhörte, Betton James muss sich verantworten. So funktioniert am Ende nur das Happy End.

Der Film erweist sich als eine reine Blamage. Die Metaphorik seines Regisseurs, der „Monster“ und „Heuschrecken“ im Bild festhalten will, ist (s-)ein Erklärungsnotstand, der alles herunterspielt, was von Bedeutung wäre. Dieser Krisenpopulismus erklärt nichts und bewältigt nichts. Der Film zur Krise, wie er allerorts gefeiert wird, ist noch nicht einmal „nahe dran am Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte“. So wie einst Franz Müntefering die Mär von den „Heuschrecken“ der Investment-Fonds als Schuldige anprangerte, so prangert Stone die selbstverliebten Eliten der marktradikalen Krisenverwaltung an. So funktioniert es nicht. Kapitalismus reduziert sich nach Stone auf ein „Spiel“. Es „ist das Spiel“ sagt Gekko. Dass aber die heraufdämmernde Systemkrise der Urgrund allen Übels ist, interessiert den Film nicht. Das globale Kartenhaus scheint tatsächlich in sich zusammen zu fallen. Ob Stone das begreifen möchte?

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