EAT, PRAY, LOVE
SIE BEWEGT NICHT
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 29. SEPTEMBER 2010.
Der Trip der Selbstfindung der Elizabeth (Liz) Gilbert (Julia Roberts) geht kräftig in die Hose. Das mag an der Handlung des Films liegen, die stets mit einer Art der unerklärlichen Klischees hantiert, die in „Eat, Pray Love“ (Regie: Ryan Murphy) seit den ersten Minuten gestreut werden.
140 Minuten lang bemüht sich der Regisseur, die Frau mit dem breiten Grinsen ins rechte Licht bei ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens zu rücken. Dabei ist herausgekommen, dass die erschreckende Geisteshaltung von Elizabeth nichts anderes als dummer und dünner Gefühlsquark ist.
Nun sind die autobiographischen Erzählungen eine Sache für sich. Damit kann man sich anfreunden, oder auch nicht. Wenn Filme jedoch versuchen, sie nachzuzeichnen, dann ist generell Vorsicht geboten. Man kann in ihnen all das hineininterpretieren, was man gerne möchte. So ist auch Murphy schnell dazu bereit, Elizabeth von einer Peinlichkeit in die anderen zu schicken. Ob die Zweifel einer verheirateten Frau, die sich durch die Buchvorlage ziehen, sich so zugetragen haben, kann hier nicht bewertet werden. Jedoch die Darstellung dieser durch Frau Roberts.
Und die ist allemal eine totale Fehlbesetzung. Die amerikanische Touristin, die auf Bali der „Erleuchtung“ nahe ist, wird ihre glamourösen Art, mit der sie auftritt, von Anfang an nicht los. Weder in Italien (Essen), Indien (Beten) noch Bali (Liebe). Stets tritt sie mit einem breiten Grinsen auf, dass sie sogar einst berühmt machte. Aber in der Zwischenzeit ist daraus Schnulz geworden.
Was kostet die Welt? Stets behält sie ihren Gestus bei, den sie wie ein Pappschild vor sich herträgt, stets setzt sie ihren Dackelblick gekonnt auf damit niemand merkt, dass die Klischeehandlung des Films knallharte Kalkulation ist und stets segelt sie von einer Peinlichkeit in die andere hinein.
Der Film gehört zur Sorte „unangenehm“. Die Begegnungen von Frau Roberts mit ihren Reisestationen gleichen einer Postkartenbeschreibung: Italien wird zum Land der „Fressorgie“, Indien mit einem Yogi zum „Meditationstrip“. Übrigens hatte schon John Lennon im August 1969 einen von ihnen, den „Maharishi Yogi“, als „Scharlatan“ bezeichnet und reiste vor allen anderen Beatles, vorzeitig ab. Und auf Bali soll in Sachen „Liebe“ nachgeholfen werden. Die welken Rituale, die hier abgeliefert werden, sind alle dermaßen abgedroschen, dass es einen schon frühzeitig zum Ausgang des Kinos drängt. Wenn zusätzlich das reichliche Kulturland Italien nur zum munteren Pizza-Essen einlädt, dann weiß man nicht, was den Regisseur geritten hat. Die Roberts ist ein Schatten ihrer selbst geworden. Es kann nichts geben, was dagegen spricht.
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