127 HOURS
AND THE WINNER IS... (II)
Man kann es nicht mit Worten beschreiben: Jemand verunglückt bei einer Bergtour. Sein rechter Arm wird dabei von einem Felsen eingeklemmt. Der junge Mann amputiert ihn sich selbst und überlebt. Das sind Geschichten, die nicht der Film schreibt, sondern das wahre Leben.
Das authentische Schicksal des Bergsteigers Aron Ralston (James Franco), hat Danny Boyle verfilmt. Jener Boyle, der 2008 mit „Slumdog Millionär“ für Aufsehen sorgte, der aber auch mit „The Beach“ (2000); „28 Days Later“ (2002) und „28 Weeks Later“ (2007) eher mittelmäßige Filme vorlegte.
Mit „127 Hours“ ist ihm allerdings ein Geniestreich gelungen. Ralston verunglückt im Canyon des Nationalparks in Utah so schwer, dass er sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien kann. Nun beginnt das Drama. Sechs Tage lang versucht sich der junge Mann aus seiner misslichen Lage zu befreien. Alle Versuche scheitern. Es gelingt ihm nicht, mit einem selbstgebastelten Flaschenzug den Felsen von seiner Hand zu ziehen; er versucht mit einem Messer einen Hohlraum zwischen der Felswand und dem Felsen zu kratzen, um seinen Arm zu befreien. Auch diese Versuche misslingen. Er hat keine Nahrung mehr, sein Wasservorrat geht ihm aus, er trinkt seinen eigenen Urin und schließt mit seinem Leben ab. Er spricht noch eine Botschaft in seine Videokamera. Und dann geschieht das, was vermutlich nur die physisch und psychisch Stärksten unter uns in einer solchen Lage tun werden: Er schneidet sich seinen Arm ab und rettet dadurch sein Leben.
Die Selbstamputation mit einem Taschenmesser hält man nicht für möglich. Doch hier passiert das eigentlich unmögliche- ein total verzweifelter Mensch greift zur letzten Möglichkeit, einen Ausweg zu finden. Die Bilder nehmen einen total mir, teilweise sind sie so erdrückend, dass man nicht mehr hinschauen mag. Man sieht das herausströmende Blut aus seinem Arm, ist dabei wenn sich Ralston zuerst den Arm bricht und dann mit dem stumpfen Ding ans Werk geht.
Alles nur Traum? Nein, diese wahre Geschichte ist tatsächlich 2003 passiert. Der junge Mann geht heute noch auf Tour. Und hier erzählt Boyle das, was ihn wohl selbst zutiefst beeindruckt hat. Mit einer exzellenten Kamera (Anthony Dod Mantle/Enrique Chediak) und tollen Schnitten, gehört der Film zu einem absoluten Highlight des begonnenen Jahres. Ein One-Man-Film, den man so selten gesehen hat.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 19. FEBRUAR 2011.
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