THE MESSENGER - DIE LETZTE NACHRICHT
AUSSERORDENTLICH GUT
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 5. JUNI 2010.
Über die George W. Bush-Administration kann im Nachhinein viel gesagt werden, viel negatives, aber im Grunde auch nichts Neues. Sein Nachfolger Barack Obama tut sich indes mehr als schwer, Amerika ein neuen, anderes Profil aufzudrücken. In der Amtszeit von Bush fielen der Irak- und der Afghanistankrieg. Ca. 5000 US-Soldaten ließen bisher dort ihr Leben, Wofür- das ist immer wieder hinterfragt worden. Und die Antworten darauf sind nicht leicht. Eine Stereotype lautet: „Weil wir dort die Freiheit des Westens verteidigen!“
Hier setzt „The Messenger - Die letzte Nachricht“ (Regie: Oren Moverman) an. Unzählige sind verkrüppelt, zerschossen, verstümmelt und traumatisiert zurückgekehrt. Ihre Psyche ist zu einem einzigen Labyrinth geworden, aus dem es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt. Immer wieder gibt es schlimme Nachrichten aus den Kriegsgebieten, und wieder und wieder wird daran appelliert, dass die ausländischen Truppen sich zurückzuziehen hätten.
Doch der Kriege spiegelt sich auch in den Botschaften wider, die zwei Soldaten, die den Krieg im Irak hinter sich haben, den Angehörigen von Gefallenen die Todesnachricht überbringen: Müttern, Vätern, Ehefrauen und Ehemännern- streng nach Protokoll.
Da ist Captain Tony Stone (Woody Harrelson), der beim Golfkrieg im Einsatz war und Sergeant Will Montgomery (Ben Foster) war im Irakkrieg. Beide wurden schwer verwundet und sind nur mit Glück dem Tod entronnen. Beide werden zur „Special Force“ versetzt und sie haben nur einen einzigen Auftrag: Möglichst schnell die Botschaft zu überbringen. Beide Männer dürfen keine Regung zeigen. Das Menschliche ist nicht gefragt- nur die Todesnachricht. Sie dürfen niemanden umarmen, niemanden zur Seite nehmen und ihn trösten und vor allem dürfen sie nicht freundlich sein. Es gibt kein: „Guten Tag!“, „Wie geht es?“ oder "Es tut uns leid!“ Nur der Auftrag der Army ist wichtig.
War es früher so, dass die Angehörigen die Todesnachrichten per Telegramm bekamen, so hat die Army nun ihre Vertreter mitten ins Herz der Hinterbliebenen geschickt. Den meisten Angehörigen muss man nichts mehr erklären. Sie wissen, nachdem die beiden Männer an die Türen geklopft haben und einen Blick auf ihre Uniformen werfen durften, bereits Bescheid: Einige bekommen keinen Ton heraus, andere fallen schreiend und weinend in sich zusammen, wieder andere bleiben stumm, starr und blicken sie versteinert an, andere schlagen um sich und bespucken die beiden. Nur die Botschaft zählt und das Militärische. Der Staat und die Army kapitulieren hier ziemlich deutlich vor jeder Regung der Gefühle.
„The Messenger“ ist ein Drama, das ist über viele Stationen geht. Es ist ein todtrauriges Szenendrama mit einer bestürzenden Nachricht: Der Tod ist inmitten des Friedens allgegenwärtig. Hier fällt kein einziger Schuss, doch man erahnt, dass er von Haustür zu Haustür durch die beiden „Todesengel“ anwesend ist.
Ben Foster und Woody Harrelson spielen außerordentlich gut. Ihr Spiel wirkt niemals aufgesetzt oder arrogant. Sie sind feinfühlig und stets bei der Sache Der Schmerz und ihre Trauer wird nur durch die dekorative Uniform, die sie als Helden ausweisen, zusammengehalten. Wäre sie nicht, dann würden beide unter der Last ihres eigenen Traumas zusammenbrechen. Es gibt keinerlei Empathie mehr. Und keine Aussicht auf Besserung. „The Messenger“ dürfte mit zu einem der besten Antikriegsfilme überhaupt zählen.
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