von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 24. FEBRUAR 2010.
Will Hunting (Matt Damon) ist ein genialer Mathematiker. Doch er passt nicht in diese Rolle hinein. Er ist gerne unterwegs, trifft sich mit Freunden, geht in Bars, spielt Baseball, trinkt und prügelt sich gerne. Die Uni ist für ihn ein Fremdwort. Eines Tages löst er für einen Mathematiker eine äußerst schwierige Aufgabe. Als er wieder einmal mit dem Gesetz in Konflikt kommt, bekommt er Sean McGuire (Robin Williams) als Psychotherapeuten an die Seite gestellt.
William hatte schon im „Club der toten Dichter“ (Regie: Peter Weir, 1989) eine ähnliche Rolle als Englischlehrer John Keating gespielt. Auch über diesen Film könnte sein Credo „Carpe Diem“ (nutze den Tag) liegen; denn der Nutzen des Tages kann für Will Hunting nicht darin bestehen, sich stets mit den Freuden des Alltags zu beschäftigen, wie Sean McGuire aus auszudrücken pflegt. So gibt er Will, der in schwere Turbulenzen geraten ist, einen persönlichen Halt. Zwar ist das Vertrauensverhältnis zu Will immer wieder mit Rückschlägen verbunden, doch McGuire schafft es, ihm Perspektiven zu vermitteln. Zusammen mit dem Professor Gerald Lambeau (Stellan Skarsgard) arbeitet McGuire an der Eingliederung von Will, der ein fotografisches-mathematisches Gedächtnis hat und über alle Maßen begabt ist. Beide ermöglichen Will letztlich den Aufbau einer eigenen Existenz.
Gus Van Sant (Regie: 1998) hat eine packende Geschichte vorgelegt. Die Helden sterben nicht aus, auch wenn sie manchmal erst aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden müssen. „Good Will Hunting“ ist ein Dialogfilm, der über 2 Stunden lang beste Unterhaltung bietet. Die Dialoge sind nicht überzeichnet und kommen auch nicht affektiert daher. Meistens haben wir es hier mit ernsthaften Gesprächen zu tun, die der Spannungsgeladenheit des Films keinerlei Abbruch tun.
Es zeigt sich, dass Damon und Williams in ernsten Rollen besser aufgehoben sind. Hier können sie ihr gesamtes Potenzial entfalten, vor allem ihre Mimik und Gestik. Nun kann über die Botschaften in einem solchen Film immer wieder gestritten werden: „Du schaffst es, wenn Du nur willst“, oder: „Niemals aufgeben, auch wenn die ganze Welt gegen Dich ist“, sind dann allerdings leider auch die Floskeln, mit denen sich „Good Will Hunting“ auseinanderzusetzen hat. Es sind auch die Klischees in der gesamten Handlung, die man aus ähnlichen Filmen mit Williams kennt, die kräftig auf den Nerv drücken. Dass Van Sant dem nicht entgegensteuert, liegt sicherlich auch in seiner Filmbiografie begründet.