TRON LEGACY
FAST EIN REINFALL
Jeff Bridges (als als Kevin Flynn) feiert mit „Tron Legacy“ (Regie: Joseph Kosinski) einen schlechten Kinostart 2011. Und ist ein Beispiel dafür, was Computerlifting heißt. „Tron Legacy“ soll ein Höhepunkt des neuen Filmjahres werden, doch dabei ist nichts anderes als ein digitaler Verschnitt des legendären Computerfilms „Tron“ aus dem Jahre 1982 herausgekommen. Der Film muss als Täuschung- und Enttäuschung verstanden werden. Trotz der Flut von Neonröhren, weißem und gelbem Licht, das sich bisweilen beißt, bleibt ein unbefriedigendes Kinoerlebnis zurück.
„Tron“ von 1982 (Regie: Steven Lisberger), eine der ersten Computerstorys mit adäquaten Bildformen, war ein buntes Spektakel, brillant inszeniert und mit den damaligen, vergleichsweise zu heute, simplen Computeranimationen ein Meilenstein des Modernismus. Mit ausgefeiltem Design, futuristisch anmutenden Sequenzen und sich stets voneinander absetzenden grellen Lichteffekten, demonstrierte der Film das, was heute in der Computeranimation als gang und gäbe gilt. Diese Cyberwelt war faszinierend und visualisiert zugleich.
Nach fast 30 Jahren tut der Film so, als ob es eine Weiterentwicklung der Technik nicht gegeben hat. Fragen, die in das heutige Verständnis einzumünden hätten, werden erst gar nicht gestellt: Sam (Garrett Hedlund), Erbe des Softwareentwicklers Encom, sprengt eines Tages eine Versammlung seines Unternehmens durch eine Hackerattacke. Und stellt das neue Betriebssystem zum Free-Download ins Internet. Das ist im Vergleich zu 1982 die einzige Erneuerung, mit der der Film aufwarten kann. Ansonsten ist er, was hier relativ deutlich wird, in der DOS-Ära stecken geblieben.
Kevin Flynn gilt als verschollen. 1982 bekämpft er als Programm CLU das Control-Programm MCP. Sein Sohn Sam entdeckt ihn in einem Computer wieder. Bridges selbst ist nicht nur Kevin Flynn, sondern er scheint auch eine Doppelnatur zu haben; denn er ist auch noch Babyface, eine jüngere Ausgabe seines eigenen Ich. CLU 2.0. ist die dunkle Seite des Rechnerwesens. Gemeinsam wollen nun Vater, Sohn und Quorra (Olivia Wilde) den neuen Diktator der Cyberwelt stoppen. Mit Lichtrennen auf dem Raster und leuchtenden Diskusdisks, werden nun digitale Spuren gezogen. Hier erreicht der Film seinen einzigen Höhepunkt.
Insgesamt wirkt der Film doch recht Ideen- und konzeptionslos. Der Vater-Sohn Konflikt ist aus der untersten Schublade der Pädagogik hervorgekramt worden: Der Sohn ist ohne Vater nur die Hälfte wert. Beiden steht die Entfremdung voneinander im Gesicht. Doch der Film macht einfach weiter, ohne sich zu fragen, wie beide wirklich zueinander stehen- und auch zusammen kommen können. Nur in einer Szene erweist sich Flynn als Bezugsperson; denn es gilt gemeinsam den Bösewicht zu erledigen.
„Tron Legacy“ ist mit seinen Stroboskopbildern optischer Firlefanz. Sie sollen Eindruck schinden und bleibend im Kopf haften bleiben. Die Story geht dabei vor die Hunde. „Tron Legacy“ ist wie „Clu“: Eingefroren und mit schlechten Dialogtexten zusammengekleistert. Das ist eigentlich schade, weil der Film im heutigen digitalen Zeitalter zu einem Meilenstein hätte werden können.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 28. JANUAR 2011.
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