IM ZEICHEN DES BÖSEN
BESTES SCHWARZ-WEISS KINO
Orson Welles führte Regie im Filmklassiker „Im Zeichen des Bösen“ (1959). Und er spielte auch selbst, den Polizeichef Hank Quinlan.
Der Film handelt von einer unheimlichen Geschichte, die uns alle tangiert. Es geht um Korruption, Feindschaft, Gewissen, Ehre und Moral. Ausgangspunkt ist ein Strip-Lokal und Motel in einer amerikanischen Grenzstadt Nahe Mexikos. Der mexikanische Drogenfahnder Mike Vargas (Charlton Heston) und der Cop Hank (Welles) streiten über einen Mordfall. Vargas gerät in Verdacht, einen Mann umgebracht zu haben. Und inmitten der Ermittlungen wird auch Susan (Janet Leigh), Vargas Ehefrau, Opfer einer Verschwörung.
Der Film hat einen bemerkenswerten Anfang: Die Kamera fährt durch die dunkle Nacht, fängt Szenen der Schnelllebigkeit ein- während Vargas und seine Frau für eine Eiskrem in die USA hinüber wandern. Perfekt! Plötzlich detoniert eine Bombe, ein Mann hatte sie einem Auto platziert. Passanten eilen zu dem Auto, das in hellen Flammen steht, die Begleiterin des Fahrers beschwert sich über das „Ticket im Kopf“. Die Vermählten und eine Grenzwache plaudern über das Geschehen. Hank trifft ein. Die Flitterwochen des Paars sind vorbei.
Hank, der die Untersuchung leiten wird, hat Vargas in Verdacht, die Bombe platziert zu haben. Das Katz- und Mausspiel kann beginnen. Susan wird von mexikanischen Drogendealern abgefangen, denen Vargas auf den Versen war. Die Karten sind verteilt. Um Vargas einen Strich durch die Rechnung zu machen; denn er ahnt die Verstrickungen Hanks in diesen Fall, lässt er Susan entführen und unter Drogen setzen.
Orson Welles spielt den charakterlosen Cop mit totaler Hingabe. Er ist dicklich geworden, aufgedunsen. Aber es war genau dass, das dem Film Noir seine unverwechselbare Note gab. Die Gestalt des Hank Quinlan, der durch Machtmissbrauch zum Ungeheuer geworden war, konnte vermutlich auch nur er spielen. Es scheint auch so zu sein, dass er von Tanya (Marlene Dietrich), eine alte Freundin von ihm, nicht erkannt wird; denn Welles hat sich für seine Rolle Polster und eine falsche Nase zugelegt.
Die berühmte Figur in diesem Film ist Welles. Im Kontrast dagegen steht Heston, der stets darauf achten musste, dass er durch die Schauspielkunst von Welles nicht an die Wand gespielt wird.
Der Film ist eine perfekte Inszenierung, voller kühner Schwarz-Weiß Bilder. Welles, der hier sehr theatralisch auftritt, hat genügend Selbstvertrauen, um die Besessenheit von Hank Quinlan überwältigend darzustellen.
Am Ende ist die finale Jagd, die durch einsetzende Rock & Roll Musik eine besondere Note erhält, allerhöchste Filmkunst.
Hinzuzufügen wäre noch, dass eine Reihe weiterer außerordentlich gut aufspielender Schauspieler hier das Geschehen bereichern: Joseph Calleia (als Sgt. Pete Menzies); Akim Tamiroff (als Joe Grandi); Joanna Morre (als Marcia Linnekar); Ray Collins (als Bezirksanwalt Adair); Dennis Weaver (als Motel Manager und Nacht-Portier); Valentin de Vargas (als Grandi Hood); Mort Mills (als Assistent des Bezirksanwalts); Victor Millian (als Manelo Sanchez); Lalo Rios (als Grandis Neffe9; Phil Harvey (als Blaine); Harry Shannon (als Chief Gould); Zsa Zsa Gabor (als Club Besitzerin).
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 12. JULI 2011. |