ICH UND ORSON WELLES
DER BEGINN AM THEATER
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 31. AUGUST 2010. Orson Welles erster großer Erfolg war die Neuinszenierung von Shakespeares ,,Julius Cäsar“ an dem von ihm gegründeten Mercury Theater in New York. Bevor sein erster großer Film durchstartete (Citizen Kane, 1941), gelang ihm am Theater der Durchbruch. 1937 war Welles 22 Jahre alt. Die Rolle als Cäsars Mörder Brutus hatte er mit sich selbst besetzt. Das historische Theaterereignis hat Richard Linklater in dem Film ,,Ich & Orson Welles“ erzählt. Die fiktive Geschichte des siebzehnjährigen Schülers Richard (Zac Efron), der von einer Schauspielerkarriere träumt, ist eine Folie. Der junge Mann erhält durch Zufall die Chance, den Lucius zu spielen. Die Proben sind mehr als chaotisch: Alle warten stets auf den Chef, der ein Frauenheld ist. Selbiger lässt auch keine Kritik an seiner Person zu. Zur Wende kommt es, als sich der Teenager in die Regie-Assistentin Sonja (Claire Danes) verliebt. Auch Welles hat ein Auge auf sie geworfen Gegen ihn hat der junge Mann keine Chance. Der authentischen Blick hinter die Kulissen des Theaterbetriebs und die Sicht auf das Porträt von Orson Welles ist zunächst äußerst positiv; denn so dürfte er gewesen sein. Der Brite Christian McKay verkörpert das Original einfach toll. Welles war sicherlich herrschsüchtig, aber auch sehr charmant, mitunter unberechenbar, geltungssüchtig und Ich-bezogen. Seine Ziele verfolgte er auf Kosten anderer. Seine Kunst bekommt daher einen tiefen Riss. Doch Linklater versäumt es, einen überragenden Film zu machen. Am Ende läuft sich alles tot. Und die Erkenntnis bricht sich Bahn, dass alles im Film zerrieben werden kann, auch mögliche gute Talente. |