STEP UP 3D
WAS BLEIBT VON DEN TANZFILMEN?
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 28. AUGUST 2010.
Gene Kelly ist schon lange vorbei. In „Singin; in the Rain“ (Regie: Stanley Donen/Gene Kelly, 1952) zeigte er eine perfekte Symbiose aus Tanz, Choreographie, Effekten und schauspielerischem Vermögen. Er trat hier das Erbe des legendären und eleganten Sängers und Tänzers Fred Astaire an, der schier schwerelos und mit großer Leichtigkeit über das Parkett huschte. Bewegung und Körperbetonung das waren seine Grundlagen, die er durch seine großen Fähigkeiten stets vervollkommnen konnte. Astaire gelang es, mit der Musik eine Einheit zu bilden, die er adäquat umsetzen konnte. Unvergesslich sind etwa seine Filme: „Ich tanze nur für Dich“ (1933), „Darf ich bitten?“ (1937), „Broadway Melodie“ (1940), „Musik, Musik“ (1942), „Die Tänzer vom Broadway“ (1949), „Let;s Dance“ (1950) und viele andere.
Musikrichtungen- und Stile ändern sich. Astaire beherrschte fast 20 Jahre lang den Tanzboden, Kelly spielte und sang sich durch ca. 40 Filme. Seine Karriere endete in den späten 1960ger Jahre. Fast 40 Jahre lang waren Astaire und Kelly die Garanten für den „guten Ton“ auf dem Tanzparkett. Bis „Dirty Dancing“ (Regie: Emile Ardolino, 1987) kam. Jennifer Grey und der verstorbene Patrick Swayze, interpretierten das Tanzschulerlebnis der Kids der 1960ger Jahre auf erfrischende Art und Weise neu. Der Tanz selbst, fast schon ein Filmmusical, orientierte sich indes an die vielschichtigen Mambo-Versionen und lateinamerikanischen Rhythmen, die originell dargeboten waren. Er bescherte den Tanzschulen auch einen neuen Boom.
In Erinnerung geblieben sind auch die Tanzeinlagen von John Travolta und Uma Thurman aus „Pulp Ficton“ (Regie: Quentin Tarantino, 1994), die unter Koks-Einfluss einen Twist-Wettbewerb gewinnen.
Seit diesen Zeiten gab es weitere unzählige Tanzfilme, deutsche und internationale, von denen hier nur einige genannt werden können, etwa: „Maske in Blau“ (1942), „Schwanensee“ (1957), „Bühne frei für Marika“ (nach Marika Rökk, 1958), „Saturday Night Fiver“ (1977), „Flashdance“ (1982), „Staying Alive“ (1982), „Carmen“ (1983), „Dance“ (1988), „Dance With Me“ (1998), „Save the Last Dance“ (2000), „Rhythmus im Blut“ (2002), „Rhythm is it“ (2004), „Darf ich bitten“ (2004), „Step Up“ (2006), „Stomp the Yard“ (2007), „Step Up To The Streets“ (2008), „Make it Happen“ (2008). Die vorläufig letzten bekannte Tanzfilm sind von 2010: „Turn It Loose2 und „Street Dance 3D“.
Nun ist „Step Up 3D“ die Fortsetzung von „Step Up“ (2006). Die Story ist banal: Ein Proberaum für die Streetdancer um Luke (Rick Malambri) herum, die sich „House of Pirates“ nennen, steht zum Verkauf an, da die Monatsmieten nicht bezahlt wurden. Die „Piraten“ müssen gegen das „House of Samurai“ im Tanzwettstreit beim „World Jam“ antreten, damit sie ihren Proberaum behalten können. Eine hohe Gewinnsumme winkt und die „Piraten“ wären ihre Sorgen los. Sie machen sich auf die Suche nach geeigneten Tänzern. Und Luke findet auch neue Talente. Er stößt er auf die Tänzer Natalie (Sharnie Vinson) und Moose (Adam Sevani). Natalie verliebt sich in Luke. Dann wird den „Piraten“ noch eine DVD mit einer neuen Choreografie geklaut und schließlich können sie sich nur durch einen Kraftakt auf dem Parkett retten.
Dem Film liegt die Grundidee eines Casting zugrunde. Zur Zeit überflügeln sich die Fernsehsender damit, den jungen Menschen zu suggerieren, dass sie Talent hätten, das nur richtig ausgebildet werden muss. Dass das in der Regel eine dicke Lüge ist, weiß jeder, der einmal DSDS geschaut hat. Aber den Casting-Machern ist dies egal. Hauptsache die Quote stimmt. Hier wird mit allen Mitteln darauf hingearbeitet, einem Programm das Wort zu reden, das vorne und hinten nicht stimmig ist.
Die Tanzeinlagen bedienen, wie schon in „Street Dance 3D“, den Geschmack des jungen Publikums, die sich an der Choreografie des Films erfreuen dürften. Die Liebesgeschichte, die hier eingeflochten ist, hat sich etwa seit „Dirty Dancing“ nicht verändert. Sie ist mitunter sogar das Salz in der Suppe. Die Idee, sich mit dem Tanz in Szene zu setzen, ist seit Astair und Kelly nicht neu. Das ist dann auch die Grundidee dieses Films, der frech aufgepeppt die verschiedenen Möglichkeiten des Breakdance und des Hip-Hop Tanz zeigt. Einiges davon wirkt ermüdend, weil es viele Filme gibt, die in der Zwischenzeit auf dieser Welle reiten. Im ästhetischen Bereich werden kaum neue Maßstäbe gesetzt, die Dialoge sind arm und die Story ist von hinten aufgezäumt. Schließlich bleibt der Film von John Chu den Beweis für seine Originalität schuldig.
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