RANGO
EIN CHAMÄLEON AUF ABWEGEN
Zur Zeit übertreffen sich die Trickfilm- und Computeranimateure gegenseitig. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass nicht eine neue Animation auf der Leinwand zu erblicken ist. Mal in 3D oder als „normaler“ Film, wobei „normal“ natürlich das in der Zwischenzeit Voll-digitalisierte Kino meint.
Der neue Streifen, der in dieser Woche startet, nennt sich „Rango“ (Regie: Gore Verbinski), möglicherweise eine Ableitung des berühmten Western-Kino Helden „Django“ (er war der erste Western von Sergio Corbucci von 1966 mit Franco Nero), oder „Ringo“ (Regie: John Ford, 1939 mit John Wayne).
Die Traumfabrik scheint weder Mühen und Kosten zu scheuen, um dem meist jungen Publikum, jene Unterhaltung (an-)zu bieten, die es sich möglicherweise wünscht. Und so gräbt man förmlich nach neuen Stoffen, die auch bereits wieder in den Startlöchern stehen und darauf warten, von ihm angenommen zu werden. Gedacht ist hier etwa an: „Gnomeo und Julia“; „Hop- Osterhase oder Superstar“; „Paul-Ein Alien auf der Flucht“, „Kung Fu Panda 2“ oder „Cars 2“. Immer besser, immer ausgefuchster und immer teurer, das scheint die Devise zu sein. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
Die Trickkiste bietet diesmal wieder ein originelles Abenteuer an. Im Abenteuer „Rango“ ist ein Chamäleon der Held. Er muss sich als Sheriff im Wilden Westen beweisen und den Einwohnern einer Stadt bei der Wassersuche helfen. „Rango“ scheint nun alles zu haben, was ein spaßiger und animierter Western zu haben scheint- er ist staub- und bleibeladen, verrückt allemal.
„Pass Dich (dort) an“, wird „Rango“ angeraten, als er nach einer Odyssee von einem fast tot gefahrenen Gürteltier auf die andere Seite der Straße geschickt wird, in die Wüste. Mehr widerwillig und ohne Wasser stolpert „Rango“ nun in sein Abenteuer hinein. Die wenigen Kommentare einer Eulen-Mariachi-Band, sind für ihn wenig ermutigend. Sie machen ihn aber auf den Habicht aufmerksam, der dort sein Unwesen treibt. Und schon ist er auf der Jagd nach ihm (übrigens von Johnny Depp) gesprochen. Die Assimilation will nicht so recht gelingen. Dauernd ist er nun auf der Flucht. Doch in dem beschaulichen Westernstädtchen gelingt es ihm, den Habicht unschädlich zu machen. Und schnell avanciert er nun zum Sheriff, der sich nun um Ruhe und Ordnung in der Stadt um die Wasservorräte zu kümmern hat. Er wird Gewahr, dass es sich hier um eine Verschwörung handelt, an der der Oberbürgermeister und die Schlange „Jake“ beteiligt sind. Wie meistens, so geht es auch hier gut aus: „Rango“ kann beide überlisten und schließlich kann die Stadt sich über das so lange ersehnte Wasser erfreuen.
Die Geschöpfe von Verbinski sind niedlich anzusehen. Mit dem Erscheinungsbild der neuen „Filmgattung“ muss man sich erst mal anfreunden, doch dann hat man damit keinerlei Probleme mehr. Mimik und Gestik sind gut ausgelotet. Und auch die Sprüche von „Rango“ sind gut getimt.
Wenn „Rango“ eine Persiflage auf viele bekannte Western sein soll, dann ist der Animationsfilm geglückt. Es gibt auch viele Hinweise darauf: Etwa die Filmmusik von Hans Zimmer („Spiel mir das Lied vom Tod“); oder „12 Uhr Mittags“. Die Erkenntnis, dass das Leben sich manchmal auch auf der anderen Straßenseite abspielt, bleibt haften, obwohl man auch das aus anderen Animationen kennt.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 4. MÄRZ 2011.
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