FRANKENSTEIN JUNIOR
EINE DER BESTEN PARODIEN AUF DEN FRANKENSTEIN-MYTHOS
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 22. SEPTEMBER 2010.
Während heutzutage krampfhaft versucht wird, etwa den Werwolf-Mythos im Film wiederzubeleben, während die „Beißer“ zur gleichen Zeit ihr Unwesen auf der Leinwand treiben und versuchen das junge Publikum gleich mit einer Welle von Parodien (vgl. „Beilight“) zu beglücken, während allerorts wieder und wieder mit Slapstick-Parodien auf das Filmgenre reagiert wird, hatte Mel Brooks mit „Young Frankenstein“ (Regie: Mel Brooks, 1974) einen genialen Einfall.
„Frankenstein Junior“ nimmt die Horror Filme um „Frankenstein“ der 1930ger Jahre auf die sog. Schippe. Im Mittelpunkt des Films steht der Neurochirurg Dr. Frederick Frankenstein (Gene Wilder), der in seinem Labor toter Materie Leben einhauchen will. Eines Tages reist er nach Transsylvanien. Dort empfängt ihn Igor (Marty Feldman), der den Buckel einmal links und einmal rechts trägt (mehr als köstlich) und die Laborassistentin Inga (Teri Garr). Auf der Burg werden die drei von Frau Blücher (Cloris Leachman) empfangen, die Dr. Frankenstein im Zimmer seines Großvaters Viktor unterbringt.
In der Nacht entdecken Frederick, Inga und Igor hinter einem Bücherregal einen Geheimgang, der zum Labor von Viktor Frankenstein, Fredericks Großvater, führt. Dort entdecken sie Bücher mit dem Titel „Wie ich es tat“. Bald darauf hebt Frederick mit Igor eine Leiche auf einem Friedhof aus. Die Versuche, die Kreatur mit Hilfe eines Gewitters zum Leben zu erwecken, scheitern jedoch (köstlich: Marty Feldman als Gewitterbeschwörer: „Jetzt könnte es regnen!“)
Im Dorf regt sich der Unmut über Frankenstein. Der Polizeiinspektor stattet dem Anwesen ein Besuch ab. Beim Abendessen hören Igor, Frederick und Inga die Kreatur knurren. Im Labor angekommen, löst Frederick seine Fesseln. Igor zündet einen Streichholz an: Die Kreatur reagiert panisch und will die drei angreifen. Igor erklärt Frederick, dass er in der Gehirnbank versehentlich ein abnormes Gehirn mitgenommen hatte (eine der besten Szenen).
Frederick beruhigt den Polizeiinspektor: Die Unruhe unter den Dorfbewohnern sei unbegründet. Im Labor finden sie Frau Blücher (köstlich: Blücher wiehert) vor, die dem Monster zur Flucht verhelfen will. Auf der Flucht freundet sich das Monster mit einem kleinen Mädchen an, das mit ihm spielt. Von Frederick wird es wieder eingefangen und besänftigt. Mit ihm tritt er öffentlich auf. Beide geben eine Musiknummer zum Besten. Als ein platzender Scheinwerfer die Kreatur in Panik geraten lässt, wird sie wieder in Ketten gelegt. Nachdem erneut ein Streichholz angezündet wird, kann das Monster abermals fliehen.
Es wird an eine Maschine angeschlossen, damit sein Geist stabilisiert wird. Doch die Dorfbewohner trauen dem Braten nicht und stürmen die Burg. Durch eine Ansprache des Monsters werden sie beruhigt. Fredrick heiratet Inga und Elizabeth das Monster.
Der Film bietet köstliche Szenen. Mit Marty Feldman und Gene Wilder kam ein kongeniales Duo zusammen, das dazu in der Lage war, bestes Amüsement vorzutragen. Die Comedy war überragend und kristallisierte sich in jeder Szene heraus, etwa das Monster auf dem Seziertisch, Igors Buckel, seine Augen, die weit aus der Augenhöhle herausragten, das Ausgraben der Leiche, Igor mit Frau Blücher im Fahrstuhl („Sie könnten mit ihn hochholen“) usw.
Die Persiflage auf den Frankenstein-Mythos ist außerordentlich gut gelungen. Mel Brooks zeigt einmal mehr, dass ihm diese Stoffe liegen. Mit dem überragenden Feldman hatte er einen Komiker ins Boot geholt, der dazu in der Lage war, jede Szene alleine schon durch sein unnachahmliches Auftreten zu beherrschen. |