BURLESQUE
KLAMOTTIG-POPPIG
„Burlesque“ (Regie: Steven Antin ) hat nichts mit der First Lady vom Broadway zu tun. Hier trifft „Forever Young“ auf ein kalkiges Gesicht, auf eine Dame jenseits der 60, auf eine „Totenmaske“. Fast bekommt man den Eindruck, als ob sie es noch mal wissen will, Cher, die bereit seit 1965 („I Got You Babe“) im Showgeschäft ist, eine ziemlich steile Gesangs- und Schauspielkarriere hinter sich gebracht hat, und nun noch einmal ins Rampenlicht tritt.
Nach den Unterhaltungssternen zu greifen, scheint nicht einfach zu sein. Das muss die junge Ali Rose (Christina Aquilera) erfahren, die aus einem kleinen Provinznest nach L. A. kommt („L.A. Woman“, The Doors), um ein Star zu werden. Bald spricht das Mädchen in einem Varieté vor, arbeitet sich als Kellnerin von unten hoch und betritt kurz darauf die Bühne, um nun fortan zu singen und zu tanzen. Die Revue-Legende Tess (Cher), ist die Muse von Ali. Sie wird ihr helfen, das „Burlesque“-Theater, das kurz vor dem Bankrott steht, wieder auf Vordermann zu bringen. Dazwischen liegt das übliche klassisch gewordene Hollywoodkino, ein Musical, das keinen Deut von den bekannten Vorlagen abweicht. Der weitere Ablauf der Handlung ist nicht mehr interessant. Da Christina Aquilera eine miserable Schauspielerin ist und Cher sie nach Längen überragt, sollte man sich mehr mit dem Unterhaltungswert des Films beschäftigen; denn es geht letztlich um Glaubwürdigkeit der alten und anrührigen Geschichte, die in die Formel gefasst werden kann: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“- die Verwirklichung des „amerikanischen Traums“.
Hier schwächelt der Film eindeutig. Denn das abgegriffene Musical betritt keinen neuen Standort. Ganz im Gengenteil. Mit den (selbst-)erfundenen Geschichten um Kränkung, Liebesverlust, Zickenkrieg und Wiederaufbau, liegt ein ödes Niemandsland. Inhaltlich gibt es viel Besseres zu bestaunen, wenn etwa an „Nine“ (Regie: Rob Marshal, 2009) gedacht wird. Die Ausstattung und der Handlungsort trägt auch nichts zur Faszination eines Musicals bei. Die kleine Bühne, die später auf einmal zu einem weit ausladenden Refugium mit exotisch wirkendem Dresscode wird, ist für einen Live-Act zu schäbig und entfaltet keinerlei Flair.
Auch die Gesangsqualitäten der erfolgssüchtigen Ali Rose atmen gerade nun mal nicht den Gang nach oben hinauf auf die Stimmleiter. Cher, die mit dem Song („Welcome to Burlesque“) die Stationen ihres Lebens beschreiben mag, lässt wenigstens für einen Augenblick erkennen, was faszinierend an Musicals sein kann. Hier mag es sich sicherlich um einen Sonderfall handeln. Aber ein „Klassiker“ fürs Filmgeschäft wird „Burlesque“ nie. Der Glaube, so etwa am Fließband produzieren zu können, erweist sich wieder einmal als großer Irrtum.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 8. JANUAR 2011.
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