LEBANON
IM INNEREN EINES PANZERS
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 26. OKTOBER 2010.
Nach „The Messenger“ (Regie: Oren Moverman, 2009) kommt ein weiterer Antikriegsfilm in die Kinos: „Lebanon“ (Regie: Samuel Maoz). Der Film, der sich auf das Innere eines Panzers und auf die Figuren konzentriert, dürfte mit zu einem der besten Antikriegsfilme der letzten 20 Jahre zählen. Nicht von ungefähr beginnt die Anfangsszene friedvoll: Ein Panzer rollt in ein Sonnenblumenfeld. Kurz darauf ist man inmitten des Libanon-Krieges von 1982.
„Lebanon“ ist zweifellos ein verstörender Film und eindrucksvoll zugleich. In der Dunkelheit des Panzers kommt man sich vor wie in einem Sarg, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Es ist nur das Geräusch der Panzerketten zu hören. Und der Zuschauer fängt an zu begreifen: Hier lauert der Tod! Und der Eindruck verstärkt sich noch: Je mehr der Panzer vorrückt, umso intensiver wird die Angst vor dem, was da kommen mag.
Der Zuschauer, der durch das Zielfernrohr blickt, könnte vermutlich mit dem, was auf ihn zukommt, überfordert werden; denn „Lebanon“ zeigt durch seine klaustrophobische Sichtweise die Verzweiflung der Soldaten, die sich mit jeder abgefeuerten Granate noch zu verstärken scheint. Da ist der Bordschütze Shmulik, der das Geschütz nicht bedienen kann, der vor Angst schlottert und der nicht abdrückt, der total überfordert ist und dem das Herz in die Hose rutscht. Kommandant Assi fordert unbedingten Gehorsam ein.
Es geht um die Hierarchie, es geht um den Rang, es geht um das Elend des Krieges, der den verzweifelten Soldaten in den Augen steht. Dieser Krieg wird urplötzlich zu einem rollenden Grab. Der Panzer springt nicht mehr an und wird beschossen. Chaos im Inneren bricht aus.
Der Blick durch das Zielfernrohr beendet urplötzlich die Spekulationen von einem baldigen Ende des Einsatzes. Das Trauma des Krieges setzt sich in den Augen der Soldaten fest. Zerfetze Körper, schreiende Menschen, ein verendeter Esel- all das kratzt an den Nerven der Soldaten. Der Blick auf ein zerfetztes Plakat vom Pariser Eifelturm ist für einen Moment ein ruhender Pol. Der Panzer schießt sich seinen Weg frei. Der Film endet, wie er begann. Der Panzer „ruht“ scheinbar inmitten des Sonnenblumenfeldes. Wahrlich: Nur hier kann Frieden einkehren! |