ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME
WIE DIE VORGÄNGERFILME
„Ich sehe den Mann deiner Träume“ (Regie: Woody Allen) ist Allens 41. Film. Etwa die Hälfte gleichen sich in den Thematiken. Und auch Allens Dramaturgie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie oftmals einem Spielcomputer ähnlich ist. Dennoch: Seine Filme sind von einer gewissen Größe. Seit „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ (1975) und „Der Stadtneurotiker“ (1977), benutzt er bereits jene Aufnahme- und Erzähltechniken, die sich bis heute gehalten haben dürften. Auch seine Charaktere vermitteln eher den Eindruck, dass der Wirrwarr der Gefühle, in die er seine Darsteller mitunter treibt, zu einem Geißel geworden ist, worin aber möglicherweise der Schlüssel zu seinen Filmen liegen mag.
Von Allens „Spätwerk“ sind u. a. Filme wie „Im Bann des Jade Skorpions“ (2002), „Matchpoint“ (2005) „Vicky Cristina Barcelona“ (2008) und „Whatever Works“ (2009) bekannt. Mit: „Ich sehe den Mann deiner Träume“, betritt er nun wieder bekanntes Fahrwasser. Das, was man öfter mit Liebe beschreibt, ist sie nicht. Und das, was sie nicht ist, kann sie manchmal sein. Auf jeden Fall ist sie eine Art Veränderung, der wir folgen mögen, wenn uns danach ist. Z. B. Alfie (Anthony Hopkins), der sich nach 40 Jahren Ehe von seiner Frau Helena (Gemma Jones) trennt, die sich in ihrer Haut nicht mehr wohl fühlt und permanent mit ihrem Alter kokettiert. Jetzt geht er ins Fitness-Studio und lernt dort das attraktive Callgirl Charmaine (Lucy Punch) kennen, deren prostituierendes Verhalten er aus seinem Kopf verbannt. Alfie ist in gewisser Weise Allen selbst oder das Ego des Regisseurs.
Alfies Schwiegersohn Roy (Josh Brolin) liegt mit seiner Gattin Sally (Naomi Watts) stets im Clinch. Roy ist erfolgloser Schriftsteller. Daher muss er sich dauernd Vorhaltungen machen lassen. Er bändelt mit der Nachbarin an und versucht sich in Sachen Literatur mit fremden Federn zu schmücken.
Sally scheint überhaupt kein Glück zu haben. Ihr Arbeitgeber (Antonio Banderas) trennt sich zwar von seiner Ehefrau, will nun aber seinerseits nichts mit Sally zu tun haben, die sich aber Hoffnungen gemacht hatte.
Diesen Erzählungen begegnet Allen mit seiner bekannten Routine. Doch tatsächlich mögen uns seine Figuren fremd bleiben. Vermutlich deshalb, weil man sie schon aus anderen Filmen kennt. Und so sind auch die Gefühlsausbrüche seiner Darsteller mitunter eher Beiwerk zu einem Film, dem die Bindung zur Realität fehlt. Die Liebesdinge sind nun mal so in sich verschachtelt, dass man auf Meinungen im Film, wie hier, pfeifen sollte.
Helena, die sich nun dem Okkultismus verschreibt und nach der Wahrsagerei ihr Leben auszurichten beginnt, soll einen „Fremden“ kennenlernen, in den sie sich auch sporadisch verliebt. Aber auch das scheint nicht von Dauer zu sein, da er erst seine Frau, die im „Jenseits“ lebt, um Erlaubnis fragen muss. Der Verfall menschlicher Beziehungen untereinander, ist für das Kino immer ein zentrales Thema gewesen. Wenn jedoch wieder und wieder, selbst bei Allen, in der alte Soße herumgerührt wird, dann werden die Nerven doch arg überstrapaziert.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 25. DEZEMBER 2010.
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