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spacerBei Anruf Mord (1954)
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Bei Anruf Mord Filmposter
Originaltitel: Dial M for Murder
Regie: Alfred Hitchcock
Laufzeit: 106 Minuten
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Starttermin D: 03.12.1954
Starttermin US: 29.05.1954
Budget: 1.400.000 $
Produktionsländer: USA
Genre: Thriller

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Eingetragen von - 13.06.2004
Didi - Filmkritik wurde eingesendet am Sonntag, 29. August 2010

BEI ANRUF MORD

MEISTERHAFT

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 29. AUGUST 2010.

Hitchcock-Filme sind meisterhaft. Seit einem seiner berühmtesten Filme „Der Mieter“ (1927), sind einige Jahrzehnte ins Land gegangen. Das tut der Qualität seiner Filme jedoch keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: In den folgenden Jahrzehnten drehte er Filme auf höchstem Niveau. Es entstanden u. a.: „Der Mann, der zu viel wusste“ (1934/1956), „Die 39 Stufen“ (1935), „Rebecca“ (1940), „Berüchtigt“ (1946), „Der Fremde im Zug“ (1951), „Bei Anruf Mord“ (1954), „Das Fenster zum Hof“ (1954), „Über den Dächern von Nizza“ (1955), „Vertigo - Aus dem Reich der Toten“ (1958), „Der unsichtbare Dritte“ (1959), „Psycho“ (1960), „Die Vögel“ (1963), „Der zerrissene Vorhang“ (1966), „Topas (1969) „Frenzy“ (1974) und viele andere. Hitchcock drehte vermutlich an die 100 Filme und er gilt bis heute unter den Regisseuren als Ausnahmeerscheinung.

Das Geheimnis von Alfred Hitchcock, der der Geschichte des Films/der Filme eine neue Form gab, liegt in seinen Stilmitteln begründet, der Visualität und der Effekte. Die Motive seiner Filme sind durch eine dialektische Einheit zu charakterisieren, wobei der Schwerpunkt auf der Angst vor Vernichtung und Identitätsverlust liegt, die mit der Aufkündigung von bürgerlichen Werten korrespondiert. Alle agierenden Personen sind davon bedroht. Nicht nur Gangster, Spione oder Mörder, sondern auch einfache Leute, die sich zufällig irgendwo aufhalten und ihrem Tagwerk nachgehen (vgl. etwa „The Byrds“).

Hitchcock baute seine Filme mit dem Stilmittel der „Suspense“, der sogenannten „Gespanntheit“ auf. Der Meister ließ das Publikum öfter bis zur letzten Filmminute in „Unsicherheit schweben“, um dann, typisch für ihn, mit dramaturgischem Geschick im Plot zur Auflösung zu drängen. Er entschied ganz alleine, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt an die Zuschauer weitergegeben werden. So konnte er stets den Spannungsbogen seiner Filme über eine lange Zeit hinweg aufrecht erhalten, um dann einen Überraschungseffekt zu starten.

Sein visueller Arbeitsstil (Kameratechnik) unterstrich dabei alle wichtigen Elemente seiner Filme (etwa die Stimmung, die Spannung, das Einsetzen der Dialoge, Naheinstellungen, Licht, Farben, Ton Musik und Ausstattung). Selbst die Auswahl der Darsteller, spiegelte sein Verständnis vom Modernismus im Film wider. Denkt man etwa an „Das Fenster zum Hof“ mit James Stewart, dann wird deutlich, welche Rolle seine Hauptfiguren spielten. Sie schweißten sich mit dem Film selbst zusammen. Dadurch vermied Hitchcock die Klischeebildung, der Tod aller Filme.

Einen festgesetzten Filmtypus kannte der Meister nicht. Er wählte seine Darsteller nach der Story aus. Die handelnden Personen hielten den Schlüssel für Stimmung und Spannung selbst in der Hand. Während man heute in der Regel nie weiß, warum immer die gleichen Darsteller-etwa für Komödien- ausgewählt werden, war Hitchcock stets seiner Zeit weit voraus. Seine handelnden Personen mussten einfach zu seinen Filmen passen. Sie mussten das Ungewöhnliche ebenso widerspiegeln können wie das Verständnis für die einzelnen Szenen, aber auch seiner visuellen Erzählweise, der Bildsprache. Ob „Vertigo“ mit Kim Novak, „Die Vögel“ mit Tippi Hedren, „Psycho“ mit Janet Leight und Anthony Perkins, „Der unsichtbare Dritte“ mit Cary Grant und Eva Marie Saint, „Topas“ mit Frederick Stafford und Karin Dor, „Über den Dächern von Nizza“ mit Cary Grant und Grace Kelly- sie passten einfach zum gesamten Handlungsaufbau, zur Bedeutung der Aussagen, ausgesuchten Drehorten, zu vielerlei Anspielungen (auch sexueller Art), zu Ironie und Humor usw.

„Bei Anruf Mord“ von 1954 zeigt Hitchcock wiederum, mit welchen perfekten Stilmitteln er umgehen kann. Augenscheinlich spielt hier seine bekannte „Suspense“ eine überragende Bedeutung. Der Thriller mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, Anthony Dawson  und John Williams, bietet eine perfekte Mischung aller Spannungselemente, die man von ihm kennt.

Tony Wendice (Milland) plant aus kalkulierter Gewinnsucht den Mord an seiner bildhübschen Frau Margot Mary (Kelly), die sich in den Schriftsteller Mark (Cummings) verliebt hat. Tony lässt sich von ihm ein Alibi attestieren und beauftragt Lesgate (Dawson) mit dem Mord. In der Wohnung ersticht Margot Mary den Killer Lesgate in Notwehr. Schnell fällt der Verdacht auf sie und sie wird wegen Mordes verurteilt. Ihr droht die Todesstrafe. Inspektor Hubbard (Williams) recherchiert unterdessen, fragt sich nach den Motiven des Mordes, führt kriminaltechnische Untersuchen durch, erschüttert das Alibi des Mörders und stellt ihm eine Falle.

Hitchcocks Film ist sehr scharfsinnig und hintergründig. Die Motivwahl für die Handlung seines Kriminalstücks ist außerordentlich gut gewählt. Denn Morde, die aus reiner Gewinnsucht kalkuliert werden, füllen selbst heute noch mit stetiger Regelmäßigkeit die Akten der Staatsanwälte. So entsteht eine außergewöhnliche Spannung, die sich erst in den letzten Filmminuten auflöst. Mit hervorragenden Darstellern gespickt, hinterließ Hitchcock ein Meisterwerk, das fern jeder Wiederholbarkeit ist. 

Anm. des Verfassers: Der Film war am 28. August auf „Arte“ noch einmal, im 3D-Verfahren fotografiert, zu sehen.

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