HELP - HI HI HILFE
FILMISCHES HIGHLIGHT
Was wäre wenn? Es begann mit der Skiffle-Gruppe „The Quarrymen“, die übrigens heute noch (allerdings ohne John Lennon) auf Tour gehen. Auf einem Gemeindefest am 6. Juli 1957 in Liverpool-Woolten war Paul McCartney unter den Zuhörern, der technisch versiert auf der Gitarre spielen konnte. Am 6. Februar 1958 besuchte George Harrison ein Konzert der „Quarrymen“ und sollte später in die Gruppe aufgenommen werden. Alles andere ist Geschichte: Stuart Sutcliffe stieß hinzu, der später an Gehirnbluten starb; im August 1960 brachen sie nach Hamburg auf und spielten im „Indra“ ohne Unterlass, Abend für Abend bis zu neun Stunden. In Hamburg begegneten sie Astrid Kirchherr, die das Cover für das erste Album entwarf, an der Frisuren der Beatles feilte und in gewisser Weise auch an ihrem Auftreten, das später von ihrem Manager Brian Epstein verfeinert werden sollte. Epstein steckte „uns in Anzüge“ bemerkte John Lennon einmal. Ringo Starr sollte Pete Best ersetzen, da er für den besseren Drummer gehalten wurde. Nun ging es stets bergauf: Tourneen in England, im Covern-Club, 2. Tournee in Hamburg (1962), die ersten Singles „Love Me Do”, „Please Please Me”, „I Saw Her Standing There”, „Fro Me to You”, der erste Film: „Yeah Yeah Yeah” (Originaltitel: „A Hard Days Night”), die erste Welttournee ab Juni 1964, das vermutlich erste Open-Air Konzert am 15. August 1965 in New York („Shea-Stadion“), weitere Alben, und schließlich begannen am 23. Februar 1965 auf den Bahamas die Dreharbeiten für den zweiten Beatles-Film „Hi Hi Hilfe“, der im Juli 1965 Premiere hatte.
Hier verfolgt eine orientalische Sekte die Beatles. Ein verlorener Ring, der sich an einem Finger von Ringo befindet, ist der Stein des Anstoßes. Die Beatles werden rund um den Erdball verfolgt. Richard Lester, der wiederum Regie führte, gelang nach dem ersten Beatles-Film sein zweites Kabinettstück. Obwohl einige Einlagen doch recht platt waren, glänzte der Film durch intelligente Einfälle. Ins Auge stachen Lennons Wortspielereien, die er immer wieder einsetzte, um sich Gehör zu verschaffen. Als die Beatles 1963 vor der königlichen Familie auftraten, meine Lennon sarkastisch: „Die Herrschaften auf den billigen Plätzen bitte im Takt mit klatschen, die dort oben brauchen nur mit dem Schmuck zu klimpern.“ „Help“ war ein Beatles-Ding. Der Film zur gleichnamigen LP enthält Ohrwürmer wie: „Yesterday“, „Ticket to Ride“, „The Night Before“ und das großartige „Help“, jener Song, der möglicherweise den Hilfeschrei John Lennons verkörpert, den er nun Zeit seines Beatles-Lebens öfter und öfter anbringen sollte.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 16. FEBRUAR 2011.
|