COUNTRY STRONG
COME BACK TO ME
Heute ist es keine Seltenheit mehr dass Schauspieler singen, sogar ihre eigene Band haben: Kevin Bacon singt, Colin Firth, Kevin Costner singt und spielt Gitarre, Jeff Bridges („Crazy Heart“) und Meryl Streep („Mamma Mia“) singen. Catherine Zeta-Jones und Reese Witherspoon („Walk the Line“) singen.
Juliette Lewis singt und geht mit ihrer Band auf Tour. Gwyneth Paltrow hat schon des Öfteren auf der Bühne durch ihre gute Stimme überzeugt. In dem Liebesdrama „Country Strong“ (Regie: Shana Feste) überzeugt sie ein weiteres Mal. Come Back To Me: Paltrow spielt einen weiblichen Country-Star auf ihrer Comeback-Tour.
Viele Erinnerungen werden bei den Country-Songs aus dem Film wach: Natürlich steht Johnny Cash und seine Frau June Carter an erster Stelle. Beide sangen zusammen beim 30-jährigen Bühnen Jubiläum von Bob Dylan am 16. Oktober 1992 im Madison Square Garden („It Ain;t Me, Babe“). Und lieferten eine famose Show ab. Aber gedacht werden könnte auch an Willie Nelson, der mit „Blue Eyes Crying in the Rain“ (1975) einen Ohrwurm ablieferte und als einer der Wegbereiter und Songwriter der Outlaw-Bewegung gilt.
Filme, die in diesem Milieu spielen, scheinen es nicht einfach zu haben; denn es wird wohl die eigentliche Historie dieser Musikgattung sein, die sich in Europa schwer vermarkten lässt. Nun aber wartet sie mit einer erstaunlichen Renaissance auf; denn ausnahmslos sind die hier vorgetragenen Stücke aus „Country Strong“ sehr hörbar. Das macht einen Einstieg zum Film auch einfacher.
Die Liebesgeschichte spielt inmitten des eher kommerziellen Business. Kelly Canter (Paltrow) hat als Sängerin einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen: Der Alkohol und die Tablettensucht, der Verlust ihres Kindes hat sie in die Erziehungsklinik gebracht. Nur mühsam kann sie sich wieder aufrappeln. Ihr Mann und Manager James (Tim McGraw) holt sie dort heraus und kann sie zu einer Come Back-Tournee überreden.
Doch die Liebe scheint zur kreativen Folter für Kelly zu werden. Kelly verliebt sich in den Pfleger und Sänger Beau (Garrett Hedlund), den sie samt Band als Vorgruppe engagiert. Gleichzeitig macht James Chiles (Leighton Meester) ein ähnliches Angebot.
Von nun an stehen die Rivalitäten der beiden Sängerinnen im Mittelpunkt des Films. Zusätzlich wird alles noch durch die Liebschaften verkompliziert; denn Chiles verliebt sich nun auch in Beau. Die Folge davon ist bekannt: Es häufen sich die üblichen Klischees, an deren Ende das Ableben von Kelly steht. Hier kann man jedoch geflissentlich über diese Mechanismen und Irritationen hinwegsehen; denn die Musik schafft es, den Zuschauer mitzunehmen.
Paltrow kann in jeder Hinsicht punkten. Die starke Frau glänzt durch ihre Stimmkraft. Dazu passt Garrett Hedlunds raue Stimme hervorragend. Auch Chiles (Leigthon Meester) ist als Vertreterin des Country auf der Gewinnerstraße. Sie erinnert an die junge Joan Beaz, die beim berühmten „Civil Rights March“ am 28.Augsut 1963 in den USA das berühmtes „We Shall Overcome“ sang. Und auch sie ist optisch ein Hingucker. Spätestens wenn James ihrer psychisch gestörten Frau ein aus dem Nest gefallenen Vogel in einer Holzbox schenkt, dann weiß man, dass man sich auf die Musik des Films konzentrieren soll.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 11. JUNI 2011. |