PLÖTZLICH STAR
ABGELAUFENE SCHNULZE
„Wenn Teenager träumen…“ sang Peter Kraus. Hier dürfen sie wieder ran, die jungen Mädchen, die von irgendwas träumen, um dem täglichen Einerlei zu entfliehen. Ob „DSDS“, „X-Factor“, „Germanys next Top-Model“ oder „Das Supertalent“, stets meint die Kulturschiene, jungen Menschen etwas Gutes zu tun, wenn sie sie nahezu dazu schon antreiben, sich für diese Wettbewerbe anzumelden. Diejenigen, die ihnen Sand in die Augen zu streuen, und die den Sand nicht aus den Augen herausbekommen, sind gleichermaßen arme Wichte, die vom Kulturbetrieb des Kapitalismus so gut wie gar nichts verstanden haben.
Auf dieser Ebene passt natürlich „Plötzlich Star“ (Regie: Thomas Bezucha) wie die Faust aufs Auge. Die Aschenputtel mit abgelaufener Haltbarkeit, allesamt High-School-Absolventinnen aus der texanischen Provinz, wollen endlich einmal verreisen, nach Paris. Dort angekommen, wird eine von ihnen, Grace (Selena Gomez), mit der Millionenerbin Cordelia verwechsel, oder sie soll ihr zum Verwechseln ähnlich sehen. Und schon verschlägt es sie nach Monte Carlo. Grace und ihre Freundinnen genießen nun dort den Luxus, den sie sich wohl immer erträumt haben. So nebenbei soll Grace auch noch für eine Wohltätigkeitsauktion ein Collier stiften, das dann irgendwie abhanden kommt. Aber es gibt keine Strafe, sondern ein Liebes-Happy End.
„Plötzlich Star“ ist ein flaches Ding ohne Tiefgang. Aus der Retortenschmiede Hollywoods kommend, wird hier unverblümt von der Rauschhaftigkeit erzählt, die im Showbizz an der Tagesordnung ist oder sein soll. Wer darauf hereinfällt, hat nicht kapiert, dass die Realität etwas ganz anders abbildet, was selbst junge Kino-Träumerinnen verinnerlichen sollte. Deshalb ist der gesamte Film eine mehr als ärgerliche und dumme Geschichte.
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 13. SEPTEMBER 2011. |