RESERVOIR DOGS - WILDE HUNDE
GUTER TARANTINO
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 27. JUNI 2010.
„Reservoir Dogs“ (Regie: Quentin Tarantino, 1992) gehört mit zu Tarantinos besten Filmen.
Eine Gruppe von Männern in schwarzen Anzügen sitzen in einem Restaurant und gestikulieren. Im Hintergrund läuft Madonnas „Like a Virgin“. Darüber geraten sie in einen Streit. Einer von ihnen will im Restaurant kein Trinkgeld geben, was ebenfalls zu einer heißen Debatte führt.
Schnitt: Zwei der Männer fahren in einem Auto. Einer von ihnen ist schwer verletzt. Er blutet. Eine Wunde am Bauch hindert ihn daran, sich auf dem Rücksitz des Wagens in die Waagerechte zu setzen. Mr. White (Harvey Keitel), der am Steurer sitzt, versucht ihn zu beruhigen. Sie fahren zu einem Lagerhaus, wo ein Mr. Pink (Steve Buscemi) ihnen klar macht, dass ihr Banküberfall, den sie soeben verübt haben, an die Polizei verraten wurde. Einer von ihnen muss der Verräter sein.
Schnitt: Mr. Blonde (Michael Madsen) stößt dazu. Durch ihn wurde der Überfall zu einem Blutbad. Im Kofferraum des Wagens liegt ein gefesselter Polizist.
Schnitt: Eddie (Chris Penn, verstorben 24. Januar 2006) ist der Sohn des Auftraggebers. Er kommt hinzu und fährt später mit Mr. White und Mr. Pink die verdächtigen Autos weg. Mr. Blonde foltert den gefangenen Polizisten mit Namen Marvin Nash (Kirk Baltz), Mr. Orange liegt offenbar bewusstlos daneben. Mr. Blonde schneidet dem Polizisten mit einem Messer ein Ohr ab, übergießt ihn mit Benzin und macht alle Anstalten, ihn zu verbrennen. In dieser Situation erschießt Mr. Orange Mr. Blonde, der nun wieder das Bewusstsein erlangt hat. Mr. Orange wird als Spitzel enttarnt.
Schnitt: Eddie, Mr. Pink und Mr. White wollen von Mr. Orange eine Erklärung für den Tod von Mr. Blonde haben. Jetzt kommt der Boss der Bande, Joe Cabot (Lawrence Tierney), dazu. ER beschuldigt Mr. Orange der Spitzel in dieser Unternehmung zu sein. Er will ihn erschießen und richtet seine Waffe auf ihn. Mr. White glaubt indes, dass Mr. Orange nicht in die Sache verstrickt ist und vermutet, dass Joe Cabot der Drahtzieher ist. Sie fangen an zu schießen. Mr. White, Eddie und Joe werden getroffen. Mr. White, der schwer verwundet ist, kann sich noch bewegen.
Schnitt: Mr. Pink verlässt das Ambiente mit der Beute. Im Hintergrund laufen Sirenen. Mr. Orange gesteht dem ablebenden Mr. White seine Spitzeltätigkeit, worauf dieser ihm seine Pistole an den Kopf hält.
Schnitt: Die Polizei stürmt das Lagerhaus, fordert ihn dazu auf, seine Waffe wegzulegen. Schüsse fallen. Mr. White wurde erschossen.
Tarantinos Vorlieben für Brutalität sind bekannt. Er meint selbst zu seinen Filmen, dass er „die Wirklichkeit zeigt, wie sie ist“. Darüber kann gestritten werden. Ebenfalls darüber, wie Brutalität entsteht und was die Folge von ihr ist, was in seinen Filmen eigentlich nie tiefer hinterfragt wurde. Anders als bei den Coen-Brüdern, die meinen, dass die Gewalt aus der Mitte der Gesellschaft heraus (Totalität) entsteht, geht Tarantino einen anderen Weg: Für ihn ist sie angelegt in der persönlichen und „gespaltenen“ Realität (der Seele). Das sind zwei grundverschiedene Ansätze. Der eine wäre materialistisch zu deuten, der andere dagegen eher Tiefenpsychologisch.
Dennoch: Das furiose Drama wäre auch ohne die brutalen Gewaltformen zu verstehen. Es ist glänzend inszeniert, die Schauspielkunst ist überragend. Der Pessimismus überwiegt. Vertrauen und Verrat sind hier auf die Spitze getrieben. Wohin Gewalt führt oder besser führen kann, wird letztlich nicht ausgeleuchtet, was mit Tarantinos Sichtweise zusammenhängen mag.
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