SIEBEN EKLIG von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 28. DEZEMBER 2005. Mit Brad PITT als David Mills, Kevin SPEACY als John Doe Gwyneth PALTROW als Tracy Mills und Morgan FREEMAN als William Sommerset, war „Sieben“ von David FINCHER („Alien 3“, 1992, „The Game“, 1997, „Fight Club“, 1999, Panic Room“, 2002, „Voll Frontal“, 2002) 1995 hochkarätig besetzt. Zudem holte sich FINCHER mit Howard SHORE (Musik) und Darius KHONDJI (Kamera) bewährte Strategen ins Team. Ziel der Vorstellung könnte gewesen sein, eine Art Kultfilm zu produzieren, der sich irgendwo mit dem „Schweigen der Lämmer“ (Regie: Jonathan DEMME, 1990) messen sollte. Wie in dem von Jodie FOSTER und Anthony HOPKINS dominierenden Film um den Psychopathen Dr. Hannibal Lecter, tritt auch hier ein Psychopath in Erscheinung, der eine Reihe von krankhaften Morden nach der Reihenfolge der sieben biblischen Todsünden (Neid, Geiz, Wolllust, Völlerei, Faulheit, Hochmut und Zorn) begeht. Zwei Ermittler sind auf diese Fälle angesetzt und sollen sie aufklären. David FINCHER, Alien bewährt, setzt auf Ekel, Blut, Fleischorgien, krankhafte Phantasien und grobschlächtige Arrangements. Man sieht platzende Mägen, abgetrennte Haut, zerfetzte Leiber, spritzendes Blut, verweste Körper, abgetrennte Gliedmaßen, von Küchenschaben abgetrennte Körperteile, quellende Eingeweide und platzende Adern. Dazu noch in Großaufnahmen. Der Streifen war mir dunklen Bildern fast schon übersättigt. Dazu gesellte sich noch eine morbid - beklemmende Atmosphäre, die mit geschmacklosen Einzeldetails jenseits der schönen Stunden im Kino angesiedelt war. FINCHER setzte auch 1995 auf seine bekannten Schockeffekte, seine philosophische Eigenart, eine gewisse Ausweglosigkeit des Subjekts zu beschreiben und abgrundtiefe Destruktion zu manifestieren. Das lässt vermuten, dass es ihm um voyeuristische Effekte ging. Und vermutlich weniger darum, den menschlichen Ruin in der Moderne mittels Allegorien, Parabeln oder auch Synopsen darzustellen. Über weite Strecken des Films ekelt man sich. Man bekommt das Würgen nicht aus dem Hals. Viele Szenen sind derart abartig, dass sich einem der Magen umdreht, bei einigen möchte man gar nicht hinsehen. Was treibt einen FETCHER dazu, wiederholt diese Art von Grausamkeiten auf Zelluloid zu bannen? Die Antwort mag möglicherweise unbeantwortet bleiben. Sollte sie gegeben werden, wäre der Sadismus von Mördern und psychopathischen Serientätern ein Hinweis auf deren dunkelsten Phantasien. Wenn im Schein von Taschenlampen, unheilvoller Dunkelheit, verrotteten Wohnungen und strömendem Regen sich Detektive den Weg zu den Leichen bahnen, dann mag das effektvoll inszeniert sein. Doch die mit künstlichem Zwielicht ausstaffierte Handlung entspricht keinem Meisterwerk des Kinos. Ebenso könnte man Massaker, die täglich auf der Welt von gedungenen Mördern, der Soldateska oder von Polizeieinheiten durchgeführt werden, filmen und sie dem Publikum vorsetzen. Zum Kultfilm taugt „Sieben“ nicht. Dafür gäbe es auch keine Anhaltspunkte. Es sei denn, man würde sich mit der Idee arrangieren wollen, dass die Darsteller aus der Masse der Schauspieler gerade hier herausragen. Weit gefehlt. Brad PITT und Co. geben sich zwar redliche Mühe der Dunkelheit noch mehr Tiefenschärfe zu verleihen, doch sie tappen im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Der Film verlangt ihnen auch nicht viel ab. Das Kinoerlebnis wird somit zu einer eigenartigen Gratwanderung: man weiß nie, wohin man gehen soll. Aus dem Film oder aus dem Kino; denn beides ist nicht dasselbe. Sich das zu überlegen, wäre sinnvoll. Fazit: Kinounterhaltung? Wohl kaum! |