AN EINEM TAG WIE JEDER ANDERE KRISE IM HAUSE HILLIARD von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 12. APRIL 2007. Der klassische Hollywoodstreifen „An einem Tag wie jeder andere“ (Regie: William Wyler, 1955) setzt ganz auf Tradition. Traditionell ist die amerikanische Familie, die typisch für das damalige konservative Bild ist, die mit dem Vater Dan Hilliard (Fredric March), der Mutter, der Nestbehüterin, die sich aufopfert und die Familie umsorgt, und Tochter und Sohn, die sie in der Krise beschützt, das Zusammenwirken von Sicherheit und Verpflichtungen verkörpert. Traditionell sind auch die Gangster, Glenn Griffin (Humphrey Bogart) Hal und Kubish. Der Ablauf des Films bricht allerdings mit der Tradition. Ein „Happy End“ gibt es nicht. Die drei Gangster werden, nachdem Finten sie Schachmatt gesetzt haben, von der Polizei erschossen. Bogart ist hier in einem seiner letzten Filme zu sehen. Er verkörpert Glenn Griffin doppelbödig-gebrochen. Und knüpfte damit an seine starke Leistung aus „Casablanca“ (Regie: Michael Curtiz, 1942) an. Während Rick dort den sympathischen Draufgänger mit harten Zügen und Herzflimmern verkörperte, der seine Gutmenschlichkeit nicht wie ein Buchladen mit sich herumtrug, und offen zur Schau stellte, ist Glenn hier von den Interessengegensätzen geprägt, die einerseits die unnötige Opferung der Familie vermeiden sollen, andererseits seine Rolle als verantwortlicher Gangsterboss zeigen. Für Bogart mag das idealtypisch gewesen sein, zumal auch die kammerspielartige Inszenierung seiner Schauspielkunst sehr gelegen kam. Der Film Noir ist eine psychologische Studie menschlicher Angst, wobei alle Beteiligten hier involviert sind: Die Gangster und die Familie Hilliard. Während erstere auf das Geld warten und jeden Augenblick mit dem Eintreffen der Ordnungshüter rechnen, ist der Familienbetrieb gar nicht mehr gewährleistet. So nimmt der Vater-Sohn Konflikt an Schärfe zu. Ralph, der aufmüpfige Sohn scheint dabei zum Spielball der Gegensätze vor dem Hintergrund der Geiselnahme zu werden. Aber auch das Männlichkeitsideal, dass von Dan verkörpert wird, zeigt deutlich, dass der „Rufer in der Wüste“ den Weg seiner (staatlichen) Verantwortung nur über populäre Appelle und Emotionalität aufrecht erhalten kann, die auch die Toter und ein möglicher zukünftiger Schwiegersohn zu spüren bekommen. Insgesamt ist der Spannungsbogen bedächtig aufgebaut. Die schauspielerischen Leistungen sind überragend, Haupthandlung und Nebenthemen sind klar voneinander zu unterscheiden, und der mehr klaustrophobische Ansatz verleiht dem Film so etwas wie Genialität. Es gibt manchmal keine Sieger. Wie hier. Die Gangster sind tot, die Familie kehrt ins traute Heim zurück. Die zugezogene Tür symbolisiert den überstandenen Amoklauf und die innere Einkehr. .
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