DER UNGLAUBLICHE HULK
KOMMENTAR
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 13. JULI 2008.
Wer benötigt „Hulk"? Ein User hatte im „Filmmag-Forum" diese Frage aufgeworfen. „Niemand", war die Antwort! Philosophisch betrachtet, kann diesen Hinweisen nur zugestimmt werden. Wer benötigt eigentlich wen und was? Das wäre die Frage, die sich anschließt. Carla Bruni, die First Lady Frankreichs, benötigt niemand, Merkel benötigt niemand, Bush nicht, und auch nicht Bundespräsident Köhler. Keiner benötigt „Niemanden“. Claudia Roth nicht, auch nicht Robbie Williams oder Frank-Walter Steinmeier.
Die Eltern werden benötigt, die Frau, die Kinder, die Freundin, die Freunde, das soziale Umfeld. Den meisten Menschen reicht das sogar bis zum Lebensende. Und am nachdenklichsten wird es dann, wenn tatsächlich „Niemand“ mehr benötigt wird. Philosophen benötigen die Philosophie, Ärzte ihre Patienten, Unternehmer ihre Untergebenen, Fußballvereine das Fußvolk und DSDS Kandidatinnen und Kandidaten.
In der Filmbranche ist es ähnlich. Eigentlich benötigen wir „Niemanden“, keine Filmschauspieler und auch keine Regisseure; denn das wahre Leben ist der Film. Wer begriffen hat, dass all diejenigen, denen wir huldigen, gemacht werden, der fällt nicht ins Uferlose. Hier wird ein „Niemand" sogar bekannt. Und zum „Jemand“, und kann sich im Licht der Sonne (mit viel Bares auf dem Konto) sonnen.
„Keine Macht für Niemand", sangen „Ton Steine Scherben" zu Beginn der 1970ger Jahre. Doch so anarchistisch denkt heute kaum noch einer. Hier war der „Niemand" schon hedonistischer Egoismus, obwohl er ja wiederum einen „Jemand" favorisierte, der an seine Stelle tritt. Zu einem „Jemand" wird der, der trotz der grellen Storys auf dem Teppich bleibt. Sich mit diesem zu arrangieren, ist ehrenvoll und ist Gewinn.
„Der Unglaubliche Hulk, ist in der neuen, gleichnamigen Comic-Verfilmung denn auch die meiste Zeit damit beschäftigt, ein Mittel zu suchen, das seinen verstrahlten, bei Stress und Wut ins Monströse mutierenden Körper wieder auf Normalformat bringen könnte. Er wird verfolgt vom amerikanischen Militär, das ihn als Elitesoldaten verpflichten will – eines der wenigen konsequenten Motive des Films, der im Prinzip ein Action-Movie mit ein paar Megaschlägereien ist. Einsam und trostlos, ohne Kreditkarte und ohne Handy streift Banner durch brasilianische Favelas und nordamerikanische Landschaften. Und der schmale, übernächtigt wirkende Schauspieler Edward Norton gibt der Verzweiflung das passende Gesicht - ein Superheld am Rande des Nervenzusammenbruchs", schrieb Sabine Horst in der "Zeit" vom 10. 07. 2008.
Doch „Wut und mutierende Körper" machen weder „Jemanden" noch „Niemanden" aus. Es ist einfach so, dass im Showbizz alles eins geworden ist, selbst „Hulk", „Batman" oder „Superman" und wie die heutigen Helden alle heißen. Jede Seele versenkt sich in der Kindheit. Und man sucht vergebens nach einem Ausweg sie endlich raus zulassen. Wenn aus einem kleinen Jungen ein erwachsener Mann mit Kräften geworden ist, dann reicht das allemal. Man benötigt nicht jene Rezensionen, die die Psychoanalyse auf ein grünes Monster anwenden, und schon gar nicht jene „erklärenden" Versuche, die den Schöpfungsrausch des „Hulk" als „Comicstrip-Ästhetik" (Peter Kümmel in der „Zeit" vom 3. 07. 2003) feiern wollen. Recht hatte der „Unser": „Hulk" benötigt keiner von uns. Weder heute, noch Morgen. „Hulk“ ist ein „Niemand“!